Jahrbuch Diakonie Schweiz
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Dialoguer par-dessus la barrière de rösti
Die Studie von Jacqueline Lavoyer-Bünzli und Simon Hofstetter untersuchtdie spezifischen Ausprägungen der Diakonie in der Romandie im Vergleichzur Deutschschweiz. In der Westschweiz zeigt sich eine vielfältigediakonische Landschaft mit starken kantonalen Strukturen, zahlreichenökumenischen Projekten und unabhängigen Werken, die oft stark mitstaatlichen Stellen vernetzt sind. Themen wie Armut, Migration und sozialeAusgrenzung stehen im Vordergrund, während spirituelle Begleitungund Diakonie dort stärker integriert sind als in der Deutschschweiz. Diediakonische Praxis in der Romandie zeichnet sich durch Nähe, Mitgefühlund soziale Teilhabe aus, während in der Deutschschweiz eher professionelleDistanz betont wird. Ein wiederkehrender Wunsch ist die stärkereEinbindung der Kirchgemeinden und Freiwilligen sowie eine Verknüpfungsozialer und ökologischer Anliegen.Die Studie von Jacqueline Lavoyer-Bünzli und Simon Hofstetter untersucht die spezifischen Ausprägungen der Diakonie in der Romandie im Vergleich zur Deutschschweiz. In der Westschweiz zeigt sich eine vielfältige diakonische Landschaft mit starken kantonalen Strukturen, zahlreichen ökumenischen Projekten und unabhängigen Werken, die oft stark mit staatlichen Stellen vernetzt sind. Themen wie Armut, Migration und soziale Ausgrenzung stehen im Vordergrund, während spirituelle Begleitungund Diakonie dort stärker integriert sind als in der Deutschschweiz. Die diakonische Praxis in der Romandie zeichnet sich durch Nähe, Mitgefühl und soziale Teilhabe aus, während in der Deutschschweiz eher professionelle Distanz betont wird. Ein wiederkehrender Wunsch ist die stärkere Einbindung der Kirchgemeinden und Freiwilligen sowie eine Verknüpfung sozialer und ökologischer Anliegen.
Sozialdiakonie – unverzichtbar für die Kirche des 21.Jahrhunderts
Der Text von Christian Peyer betont die zentrale Rolle der Sozialdiakonie für eine glaubwürdige und zukunftsfähige Kirche im 21. Jahrhundert. Sozialdiakonie ist ein vielseitiger Beruf, der Menschen unterstützt, beteiligt und befähigt, ihre Gaben in Kirche und Gesellschaft einzubringen. Sie lebt von interprofessioneller Zusammenarbeit, einer breiten Ausbildung sowie der aktiven Einbindung und Ermöglichung von Freiwilligen. Für die Zukunft ist eine kirchliche Kultur notwendig, die weniger anbietet, aber mehr ermöglicht – durch neue Rollenverständnisse, sozialraumorientiertes Handeln und Pioniergeist. Dabei soll die Kirche «einfacher, bescheidener und mutiger» werden, wozu die Sozialdiakonie massgeblich beitragen kann
«There is no elevator to success, you have to take the stairs; one step can make all the difference.»
Christoph Sigrist reflektiert in seinen «Diakonischen Notizen» über den Antrieb helfenden Handelns und stellt dabei Betroffenheit als zentralen Motor diakonischen Engagements in den Mittelpunkt. Ausgehend von Desmond Tutus Aussage «Gott ist nicht Christ» betont er, dass Gottes Wirken und menschliche Hilfe nicht exklusiv christlich seien, sondern universell.Am Beispiel des südafrikanischen Projekts «Butterfly House» zeigt Sigrist, wie persönliche Betroffenheit konkrete Hilfe auslöst und interreligiöse Zusammenarbeit möglich macht. Für Sigrist ist das innere «Feuer» – genährt durch Gebet, Mut, Zweifel und echte Begegnung – die spirituelle Energiequelle seines diakonischen Wirkens. Seine Schlussfolgerung: Diakonie lebt nicht von Abgrenzung, sondern vom mutigen Schritt ins Leben und von der authentischen, solidarischen Bewegung auf andere zu
Gläubig oder Kirchennah und Glaubensfern?
Der Beitrag von Urs Frey plädiert für ein erweitertes Verständnis der reformierten Kirche als «duale Volkskirche», die sowohl gläubige Christ:innen als auch glaubensferne, aber kirchennah Interessierte einschliesst. Er reflektiert dabei seine eigene Position als engagierter, jedoch glaubensferner Kirchenbürger und thematisiert die Spannung zwischen Zugehörigkeitund Bekenntnis. Frey kritisiert eine unterschwellige missionarische Haltung und fordert eine Kirche, die offen ist für spirituelle Suchende, ohne sie zu vereinnahmen. In vier kirchlichen Handlungsfeldern (Verkündigung, Diakonie, Bildung, Gemeindeaufbau) entwickelt er alternative Perspektiven, die glaubensferne Menschen ernst nehmen und aktiv einbeziehen.Abschließend fordert er eine «Vorbesinnung» auf eine ehrliche, inklusive Kirchenpraxis anstelle nostalgischer Rückbesinnung auf überholte Strukturen
Diakonie als Ausdruck «sozialer Nützlichkeit» der Kirchen?
Simon Hofstetter analysiert in seinem Beitrag die gegenwärtige gesellschaftliche Relevanz der Diakonie und warnt vor einer einseitigen funktionalen Reduktion auf ihre «soziale Nützlichkeit». Die zunehmende staatliche Forderung nach Nachweisen kirchlicher Leistungen bringt die Diakonie unter Rechtfertigungsdruck: Studien monetarisieren ihre Arbeit und rücken sie in ein Licht ökonomischer Nützlichkeit. Dies birgt Risiken: Diakonisches Handeln droht funktionalisiert und an staatliche Erwartungen angepasst zu werden, wodurch sein eigentlicher Auftrag – Hilfe um der Menschen willen – verdrängt wird. Besonders problematisch ist der Wandel hin zur «Auswahldiakonie», bei der refinanzierbare Tätigkeiten Vorrang erhalten. Sozialkapitalstudien zeigen zwar den gesellschaftlichen Mehrwert kirchlicher Netzwerke, verkennen aber teils die Unbedingtheit diakonischer Hilfe. Die Diakonie muss daher wachsam bleiben, ihre theologische Eigenlogik vertreten und zwischen funktionalen Anforderungen und ihrer Berufung vermitteln
Der Cántico cósmico von Ernesto Cardenal und das Azmapu der Mapuche
Im ihrem Beitrag verbindet Elisa Loncon das spirituelle Weltbild der Mapuche mit dem «Cántico cósmico» von Ernesto Cardenal. Sie zeigt auf, wie beide Denktraditionen – die indigene Philosophie Azmapu und Cardenals dichterisch-theologische Kosmologie – das Leben als eingebettet in ein harmonisches, spirituell verbundenes Ganzes verstehen. Dabei betont sie die Bedeutung des Wortes (zugu) als schöpferische Kraft und Ausdruck einer Ethik des respektvollen Miteinanders mit allen Wesen. Loncon unterstreicht, dass sowohl Cardenal als auch Azmapu ein Leben nach dem Tod annehmen und eine nicht-anthropozentrische Ethik vertreten, die auf gegenseitiger Zugehörigkeit basiert. Abschliessend würdigt sie Cardenals dekoloniales Denken als Vorbild für eine gerechtere, spirituellere und indigene Perspektiven anerkennende Gesellschaft
Seelsorgliche Diakonie als Anleitung zu einer Lebenskunst
Heinz Rüegger versteht seelsorgliche Diakonie als Anleitung zu einer Lebenskunst, die Menschen hilft, ihr Leben in Würde und Selbstbestimmungzu gestalten. Ausgehend von existenziellen Krisen und Verletzlichkeit betonter die Bedeutung eines achtsamen, zugewandten Umgangs, der nicht belehrt, sondern begleitet. In seelsorglichen Begegnungen wird Beziehungzum Raum gelingenden Lebens, in dem spirituelle Tiefe und solidarischesHandeln zusammenkommen. Rüegger sieht Seelsorge nicht nur als individuelle Hilfe, sondern als öffentlich relevante Praxis, die soziale Gerechtigkeit fördert und Menschen in ihrer Ganzheit ernst nimmt. Diakonische Seelsorge wird so zum Ausdruck einer Kirche, die mit den Menschen unterwegs ist und ihnen hilft, ihr Leben sinnerfüllt zu gestalten
Herausforderung Sinnsuche – Erfahrungen zum Umgang mit spirituellen Fragen
Pater Martin Werlen betont in seinem Beitrag die enge Verbindung von Spiritualität und Diakonie, die beide auf die Not hinter der Fassade der Wohlstandsgesellschaft reagieren sollen. Am Beispiel von Vincent van Gogh und der biblischen Erzählung vom barmherzigen Samariter zeigt er, dass echte Nächstenliebe nicht aus Pflicht, sondern aus Mitgefühl entsteht – unabhängig von religiöser Zugehörigkeit. Diakonisches Handeln bedeutet, den Menschen in seiner Not nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe zu begegnen. Wer selbst verletzlich ist, kann anderen mit mehr Echtheit und Demut dienen – Diakonie wird so zur spirituellen Lebenshaltung. Abschliessend ruft Werlen dazu auf, auch die eigene Verwundung wahrzunehmen, denn wahrhaft christliches Handeln beginnt bei der Annahme des eigenen inneren «geringsten Bruders»
Sozialräumliche Verortung kirchlicher Diakonie
Urs von Orelli analysiert die Entwicklung kirchlicher Diakonie von der historischen Fürsorge bis zur heutigen sozialräumlich orientierten Gemeinwesendiakonie. Er konstatiert einen Rückgang der öffentlichen Sichtbarkeit kirchlicher Diakonie und plädiert dafür, kirchliches Handeln stärker im Sozialraum zu verankern, um gesellschaftlich wirksam zu bleiben. Die sogenannte Gemeinwesendiakonie verbindet theologische Grundlagen mit modernen Methoden der Sozialen Arbeit und will Diakonie als sichtbares, partizipatives Handeln im lokalen Lebensumfeld verwirklichen. Das von Orelli entwickelte «Aarauer Modell» bietet ein praxisorientiertes Instrument zur Analyse und strategischen Planung kirchlicher Aktivitäten im Sozialraum. Die Zukunft der Diakonie sieht er in der Vernetzung mit anderen Akteuren, der Nutzung freiwilliger Ressourcen und einer Kirche, die offen und relevant im Gemeinwesen mitwirkt