Soziale Verwundbarkeitsanalyse von sozialen Gruppen in Nordrhein-Westfalen bei einem Stromausfall

Abstract

Die soziale Vulnerabilität umfasst alle demografischen und sozioökonomischen Merkmale, die eine Anfälligkeit in einem Katastrophenszenario beeinflussen. Das Konzept der Vulnerabilität ist eine temporäre Größe und variiert im Kontext des zu betrachtenden Szenarios und des Untersuchungsraumes. Die vorliegende Arbeit wendet einen replizierten Social Vulnerability Index (SoVI) auf die Kreise und Gemeinden des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen in Bezug auf einen Stromausfall an. Sie zeigt auf, inwieweit der ursprüngliche SoVI aus den Vereinigten Staaten übernommen werden, kann und welche Modifikationen bei der Auswahl der Verwundbarkeitsindikatoren zu treffen sind. Die Datengrundlage bilden die Bevölkerungserhebung aus dem Jahr 2022, welche durch Auswertungen demografischer Eigenschaften von statistischen Ämtern ergänzt wurde. Mithilfe einer Hauptkomponentenanalyse (PCA) wurden die 29 Indikatoren auf Kreisebene und 28 Indikatoren auf Gemeindeebene in fünf beziehungsweise sechs Komponenten zusammengefasst. Insgesamt erklären die Faktoren jeweils 83,45 % der Varianz bei den Kreisen und 82,84 % der zu untersuchenden Gemeinden. Die Ergebnisse der PCA lassen sich über eine Verschneidung grafisch darstellen. Demnach sind 11,32 % der Landkreise und kreisfreien Städte sowie 15,37 % der Gemeinden von einer hohen Vulnerabilität betroffen. Ausschlaggebend hierfür sind unter anderem ein niedriges Bildungsniveau, eine hohe Altersstruktur sowie Personen mit besonderen Bedürfnissen. Zudem sind Haushalte mit Kindern und Jugendlichen vulnerabel zu betrachten. Abschließend wurde festgehalten, dass insbesondere längerfristige Stromausfälle ein seltenes Ereignis sind, dennoch katastrophale Folgen für die unvorbereitete Bevölkerung haben können. Die ausgewählten Vulnerabilitätsindikatoren entsprechen zwar der angenommenen Verwundbarkeit in der Literatur, jedoch sollte die Auswahl zusätzlich Expertenmeinungen berücksichtigen. Hierdurch sowie durch die richtige Gewichtung der Faktoren können valide Ergebnisse erzielt und Aussagen über die zu betrachtende Anfälligkeit getroffen werden

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