Die vorliegende Thesis untersucht die Sprachgestaltung fantastischer Figuren in den DEFA-Märchenfilmen, einem Märchenfilmkorpus, der sowohl aufgrund seines langlebigen Erfolgs als auch durch die besonderen politischen Hintergründe der DDR hervorsteht. Die zentrale Fragestellung war, wie die fantastischen Figuren in diesen Filmen akustisch charakterisiert werden und welche Muster sich erkennen lassen, die Rückschlüsse auf die Figurengestaltung in Märchenfilmen geben können.
Zuerst wurden theoretische Grundlagen zur Märchenästhetik, zu Sprachelementen, medialen Einflüssen sowie zur besonderen politischen Situation der DEFA selbst betrachtet.
Darauf folgte eine detaillierte Analyse der Sprachgestaltung in drei ausgewählten DEFA-Märchenfilmen: Das kalte Herz, Das singende, klingende Bäumchen und Rotkäppchen. Diese wurden mit Michel Chions Abdeckmethode erst als eigenständige Werke analysiert und dann mit dem theoretischen Modell in Beziehung gesetzt, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Sprachgestaltungsmethoden herauszuarbeiten.
Abschließend wurden die Befunde einem Zeit- und Genrevergleich unterzogen. Der erste Vergleichsfall war dabei die moderne Neuverfilmung von Das singende, klingende Bäumchen, die 2016 erschien. Ein zweiter Vergleich wurde mit meinem eigenen Bachelorprojekt, dem Fantasyfilm Der Wanderer, durchgeführt, um die Befunde auch genreübergreifend zu betrachten.
Die Analyse hat dabei ergeben, dass Sprachgestaltung in den DEFA-Märchenfilmen sowohl ideologische als auch märchenstilistische Funktionen trägt. Zum einen dient sie dazu, moralisch wünschenswerte fantastische Wesen zu vermenschlichen und somit erreichbar zu machen, während die Antagonisten durch Entfremdungen zu klar erkennbaren Feindbildern gemacht werden. Darüber hinaus lassen sich märchenliterarische Einflüsse nachweisen, die sich allerdings größtenteils getrennt voneinander den filmästhetischen Gesamtkonzepten zuordnen lassen.
Der abschließende Zeitvergleich zeigte, dass diese Gestaltungsentscheidungen keine Selbstverständlichkeit im Märchen sind, da sie sich nicht in der Neuverfilmung finden. Der Abgleich mit dem Fantasie-Genre hingegen zeigt eine Fortsetzung der Anwendungsform in modernem Gewand.
Damit leistet diese Thesis einen Beitrag zur Erforschung der audiovisuellen Ästhetik der DEFA-Märchenfilme und bietet zugleich Perspektiven für gegenwärtige filmische Sprachgestaltungsstrategien
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