Once upon a crime ... : an analysis of the use of quoting frames to create the story of the trial through intertextuality and voice

Abstract

Die vorliegende Dissertation untersucht die Praxis des Zitierens in Gerichtsverhandlungen und konzentriert sich dabei auf ihre Rolle bei der Gestaltung von Erzählungen im Gerichtssaal, beim Aufbau von Glaubwürdigkeit und bei der Strukturierung von Überzeugungsarbeit. Aufbauend auf Copes (2020) Typologie von Zitierrahmen in Nachrichtendiskursen wird in dieser Arbeit eine korpusbasierte kritische Diskursanalyse dreier hochkarätiger Prozesse durchgeführt: des Prozesses State of Wisconsin gegen Kyle Rittenhouse, des Prozesses State of Minnesota gegen Derek Michael Chauvin und des Prozesses John C. Depp, II gegen Amber Laura Heard. Durch die Definition von Zitierrahmen, die aus einer Quelle, einem zitierenden Verb in der Vergangenheitsform und einer zitierten Äußerung bestehen, bietet diese Arbeit einen systematischen Analyserahmen, der sich auf Aspekte der Benennung und Referenz, prädikative Strategien und lexikalische Semantik konzentriert.Ein wichtiger Beitrag dieser Dissertation ist die Identifizierung verschiedener Phasen des Zitierens im Gerichtsverfahren. Zu diesen Phasen gehören das Vorzitieren (pre-quoting) in der Eröffnungsrede, das Zitieren während der Zeug:innenvernehmung und sowie das Zitieren und Nachzitieren (post-quoting) in der Schlussrede. Jede Phase dient einer strategischen Funktion, von der Vorhersage von Erwartungen (Vorzitat) bis zur Gestaltung der Interpretation der Geschworenen durch rückblickende Betonung (Nachzitat). Darüber hinaus variiert die Auswahl der Zitierverben je nach Prozessart, wobei in Verleumdungsprozessen ein breiteres Spektrum an bewertenden Zitierverben verwendet wird als in Mordprozessen, was verdeutlicht, wie der rechtliche Kontext die sprachlichen Entscheidungen beeinflusst. Diese Dissertation zeigt auch, dass Anwält:innen selektiv auf Quellen verweisen, die sich auf die jeweils angesprochenen Zeug:innen beziehen, um die Glaubwürdigkeit strategisch zu erhöhen und die Aussage mit den Erwartungen der Geschworenen in Einklang zu bringen. Dieses selektive Zitieren unterstreicht den doppelten Adressat:innenkreis des Prozesses, d. h. das Zitieren richtet sich zwar an die Zeug:innen, aber letztlich auch an die Geschworenen. Darüber hinaus stellt die Dissertation traditionelle Vorstellungen von Rekontextualisierung in Frage und argumentiert, dass diese nicht nur eine Funktion des Zitierens ist, sondern ein inhärenter, fortlaufender Prozess, der die Intertextualität während des gesamten Prozesses verstärkt. Es werden sechs Kernfunktionen des Zitierrahmens identifiziert: Legitimation, (De-)Autorisierung, Dekonstruktion, Darstellung der verbalen Handlung, Anleitung und Hervorhebung. Diese Funktionen wirken innerhalb des Zitierrahmens als zusammenhängende Einheit, in der das Zusammenspiel zwischen Quelle, zitierendem Verb und zitierter Äußerung die rhetorische Wirkung bestimmt. Durch die Analyse von Zitierpraktiken in verschiedenen Prozessphasen hebt diese Dissertation die zentrale Rolle des Zitierens in der Überzeugungsarbeit vor Gericht hervor und unterstreicht den Bedarf an weiterer interdisziplinärer Forschung an der Schnittstelle von Sprache, Recht und Medien.This dissertation examines quoting practices in trial discourse, focusing on their role in shaping courtroom narratives, establishing credibility, and structuring persuasion. Building upon Cope’s (2020) typology of quoting frames in news discourse, this thesis conducts a corpus-based critical discourse analysis of three high-profile trials: the State of Wisconsin v. Kyle Rittenhouse, the State of Minnesota v. Derek Michael Chauvin, and the John C. Depp, II v. Amber Laura Heard trial. By defining quoting frames as consisting of a source, a quoting verb in the past tense, and a quoted utterance, this research project provides a systematic framework for analysis focusing on aspects of naming and reference, predicational strategies, and lexical semantics. A key contribution of this dissertation is the identification of distinct phases of quoting in trial discourse. These phases include pre-quoting in the opening statement, quoting during witness examination and rebuttal, and quoting and post-quoting in the closing statement. Each stage serves a strategic function, from forecasting expectations (pre-quoting) to shaping juror interpretation through retrospective emphasis (post-quoting). Furthermore, quoting verb selection varies across trial types, with defamation trials exhibiting a broader range of evaluative quoting verbs than homicide trials, highlighting how legal context influences linguistic choices. This dissertation also demonstrates that attorneys selectively reference sources based on the witness being addressed, strategically enhancing credibility and aligning testimony with juror expectations. This selective quoting underscores the dual audience of trial discourse, that is while quoting is directed at witnesses, it is ultimately aimed at jurors. Additionally, the dissertation challenges traditional conceptions of recontextualization, arguing that it is not merely a function of quoting but an inherent, ongoing process that reinforces intertextuality throughout the trial. Six core functions of quoting frames are identified: legitimation, (de)authorization, deconstruction, depiction of verbal action, guidance, and salience. These functions operate within the quoting frame as a cohesive unit, where the interplay between the source, quoting verb, and quoted utterance shapes its rhetorical effect. By analyzing quoting practices across trial phases, this dissertation highlights the central role of quoting in courtroom persuasion and underscores the need for further interdisciplinary research at the intersection of language, law, and media.eingereicht von Nikol Stopić, BEd, MALiteraturverzeichnis: Seite 324-332Dissertation Universität Graz 2025Archivierung/Langzeitarchivierung gewährleistet AT-OeNB pdage

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Last time updated on 13/07/2025

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