Berlin: Duncker & Humblot
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Zwischen Geschlecht und Nation | Interdependenzen und Interaktionen in der multiethnischen Gesellschaft Polens im 19. und 20. Jahrhundert
Der Sammelband betrachtet die multiethnische und multikonfessionelle Gesellschaft auf polnischem Gebiet im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit Hilfe neuerer kulturwissenschaftlicher Ansätze wie der Geschlechtergeschichte und den postcolonial studies wird die Vielfalt der Konflikt-, aber auch Koexistenzsituationen analysiert, um so zu einem ausgewogeneren Bild der Selbst- und Fremdbeschreibung sowie der Handlungsmöglichkeiten von historischen Akteuren und Kollektiven in einem sprachlich und konfessionell heterogenen Umfeld zu kommen. Ziel der Beiträge ist es, die vielfältigen Interaktionen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu beleuchten und Hierarchien sowie Machtbeziehungen im Alltagsleben herauszuarbeiten. Dabei wird besonders danach gefragt, wie geschlechtliche, nationale sowie soziale Positionierungen und Zuschreibungen interagierten
Die Neuausrichtung des prudentiellen Regulierungsrahmens für Wertpapierfirmen
Mit der Investment Firms Directive (IFD), der Investment Firms Regulation (IFR) und dem Wertpapierinstitutsgesetzes (WpIG) sollte erstmals ein eigenständiger, maßgeschneiderter Regulierungsrahmen für Wertpapierfirmen geschaffen werden. Darin liegt eine Abkehr vom bisherigen Ansatz für die prudentielle Regulierung von Wertpapierfirmen, der auf eine weitgehende Gleichbehandlung dieser Unternehmen mit Kreditinstituten abzielte. Die Arbeit analysiert, welche Erwägungen den neuen Bestimmungen – gerade auch in Abgrenzung zum Bankaufsichtsrecht – zugrunde liegen. Sie zeigt, dass der neue Regulierungsrahmen die mit der Tätigkeit von Wertpapierfirmen verbundenen Risiken und die Besonderheiten ihrer Geschäftsmodelle zwar im Wesentlichen zutreffend erfasst aber nicht überall adäquate, insbesondere verhältnismäßige Anforderungen vorsieht. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der neuen Klassifizierung der Institute und den Eigenmittelanforderungen auf Basis der K-Faktoren.»The New Prudential Framework for Investment Firms«: The thesis examines the regulatory framework for investment firms newly established by the Investment Firms Directive and Regulation (IFD/IFR) and the German Investment Firm Act (WpIG). It analyses the departure from the former approach based on equal treatment of investment firms and credit institutions and assesses whether the new regime ensures risk-adequate and proportionate regulation. The focus lies on firm classification and capital requirements based on K-factors
Die präsenzlose Beschlussfassung in der GmbH im Lichte der Wandlung des Versammlungsbegriffs
Mit § 48 Abs. 1 S. 2 GmbHG hat der Gesetzgeber die virtuelle Gesellschafterversammlung in der GmbH zum 01.08.2022 ausdrücklich geregelt und so der zunehmenden Erwartung, Beschlüsse auch fernmündlich oder mittels Videokommunikation fassen zu können, Rechnung getragen. Die Arbeit zeigt den damit einhergehenden Wandel des Versammlungsbegriffs auf und untersucht die dogmatischen und praktischen Implikationen der Neuregelung. So schafft diese zwar Klarheit, dass eine virtuelle Beschlussfassung satzungsautonom (nur) bei allseitigem textförmlichem Einverständnis zulässig ist. Eine Anpassung der übrigen Versammlungsvorschriften blieb jedoch aus, sodass sich neue Auslegungs- und Anwendungsfragen stellen. Die Arbeit bestimmt die Rechtsnatur des Einverständniserfordernisses als Wirksamkeitsvoraussetzung und beleuchtet insbesondere dessen Satzungsdispositivität, die Folgen typischer Beschlussmängel im virtuellen Verfahren sowie einen möglichen Anspruch der Gesellschafter auf virtuelle Teilnahme.»Remote Adoption of Resolutions in the GmbH – The Evolving Concept of the ›Meeting‹«: As of 1 Aug 2022, Section 48(1), second sentence, of the Act on Limited Liability Companies (GmbHG) allows resolutions to be adopted in virtual meetings if the shareholders unanimously consent in text form. This thesis traces how the reform reshapes the »meeting« in GmbH law and analyses its implications, including whether the consent rule can be modified in the articles of association, the consequences of typical defects in virtual proceedings and a possible right to participate remotely
Zwischen Autonomie und Verrechtlichung | Die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Prüfstelle für jugendgefährdende Medien vom Kaiserreich bis in die Gegenwart
Die Studie untersucht die Entstehung und Entwicklung des repressiven Jugendmedienschutzes aus historischer und verfassungsrechtlicher Perspektive. Ausgehend vom Konflikt um die moderne Massenkultur im Kaiserreich wird erläutert, warum die Prüfstellen der Weimarer Republik infolge dieses Konflikts mit umfassender materiell-rechtlicher, ministerieller und judikativer Autonomie ausgestattet wurden. Anschließend wird die weitere Entwicklung unter dem Grundgesetz analysiert. Im Zuge der Verrechtlichung des Verwaltungsrechts wurde die Autonomie der Prüfstellen schrittweise aufgehoben. Maßgeblich hierfür waren die grundrechtliche Überlagerung und die Ausweitung der verwaltungsgerichtlichen Kontrolle. Dabei gelang jedoch nicht, die illiberale Grundtendenz des repressiven Jugendmedienschutzes aufzuheben. Der Autor schließt deshalb mit einem Plädoyer für ein Gebot der Staatsferne und fordert, die historische Perspektive stärker in die aktuelle Auseinandersetzung einzubeziehen.»Between Autonomy and Juridification: The History of the Creation and Development of the Review Board for Media Harmful to Minors from the German Empire to the Present Day«: The study traces the development of repressive youth media protection from the German Empire to the present day. It analyses the origins of the material, ministerial and judicial autonomy of the review boards in the Weimar Republic, demonstrating that the later Juridification of this system under the Basic Law has not eliminated its illiberal tendencies. The author therefore concludes by calling for repressive youth media protection to remain in ministerial autonomy
Buchbesprechungen
Kumkar, Nils, polarization. The order of politics. Berlin 2025, Suhrkamp. 290 p. (Uwe Volkmann, Frankfurt) Tändler, Maik, Armin Mohler and the intellectual right in the Bonn Republic. Göttingen 2025, Wallstein. 468 pp. (Jannis Lennartz, Berlin) Cadore , Rodrigo Garcia, “Unlawful Law.” The Merkl-Sander controversy within the Vienna School of legal theory. Tübingen 2024, Mohr Siebeck. 631 p. (Péter Techet, Vienna) Robakowski, Rodin, constitutional state and supranationality. A legal theoretical reconstruction. Tübingen 2025, Mohr Siebeck. 212 p. (Volker Neumann, Heidelberg/Berlin) Federal Administrative Court with the participation of the Georg Jellinek Center at the University of Leipzig (ed.), History of the Federal Administrative Court. Construction and consolidation 1953 – 1959. Munich 2025, C.H. Beck. XXIV + 579 pp. (Frieder Günther, Karlsruhe) Jürschik, Ulrike, sufficiency and law. Tübingen 2024, Mohr Siebeck. 486 p. (Inga Brauer, Cologne) Feichtner, Isabel, mineral resources. About exploitation and socialization. Hamburg 2025, Hamburg Edition. 304 p. (Victor Loxen, Berlin
Das entgrenzende Gericht | Eine Kritik des Bundesverfassungsgerichts in der politischen Ideengeschichte der Bundesrepublik
Meinen und Wissen | Was unterscheidet eine Meinung von einer wissenschaftlichen Aussage und warum tut sich die Wissenschaft mit dieser Unterscheidung so schwer?
Die Illusion einer zweiten unsichtbaren Hand | Von der objektiven Rundfunkfreiheit zur gebundenen Medienfreiheit digitaler Intermediäre
Schaden, Interesse und Differenzhypothese | Zugleich ein Beitrag zur Dogmengeschichte des Schadensrechts
Ausgehend von der Beobachtung, dass in der Dogmatik des Schadensrechts seit Langem ein Zustand der Rechtsunordnung besteht, widmet sich die Arbeit den Grundbegriffen Schaden, Interesse und Differenzhypothese. In einer dogmengeschichtlichen Längsschnittuntersuchung werden zunächst die Differenzhypothese und ihr Ursprung im römisch-rechtlichen quod interest untersucht, um herauszuarbeiten, ob diese in die §§ 249 ff. BGB Eingang gefunden haben. Es wird gezeigt, dass das Schadensrecht auf einer Zusammenführung unterschiedlicher Rechtsschichten beruht, was wesentliche Ursache für den unordentlichen Rechtszustand ist. Außerdem wird der Schadensbegriff in den Blick genommen. Der lange währende Streit dazu wird historisch und dogmatisch kontextualisiert. In dem Bemühen Rechtsunordnung zu reduzieren, wird der Schadensbegriff als Tatbestandsmerkmal eines jeden Schadensersatzanspruchs auf den begrifflichen Kern, die unfreiwillige Einbuße an rechtlich geschützten Gütern, zurückgeführt.Die Arbeit wurde ausgezeichnet mit dem Wolf-Rüdiger-Bub-Preis 2025.»Damages, Interest and the Difference Hypothesis. A Contribution to the History of Doctrine in Tort Law«: The state of legal disorder that exists in the dogma of tort law is examined in a longitudinal study of the history of dogma to determine its origins. To this end, the present work focuses on the basic concepts of tort law. The origins of the difference hypothesis are examined and its transferability to contemporary tort law is critically questioned. The long-contested concept of damages is traced back to its conceptual and dogmatic core
Die Verwertbarkeit von mittels Europäischer Ermittlungsanordnung erhobener Beweise im deutschen Strafprozess
Die sog. EncroChat-Verfahren haben unionsweit die Frage zugespitzt, ob im Wege europäischer Rechtshilfe erlangte Daten in den nationalen Strafverfahren der Mitgliedstaaten verwertbar sind. Auch wenn diese Frage für Deutschland mittlerweile durch den BGH und den EuGH beantwortet wurden, bestehen weiterhin viele offene Fragen im Bereich der europäischen Beweisrechtshilfe, welche weit über diese Fallgruppe hinausgehen. Dies gilt nicht zuletzt dann, wenn ausländische Maßnahmen gezielt für deutsche Zwecke initiiert bzw. genutzt werden sollen. Die Arbeit hat es sich zur Aufgabe gemacht, das System der europäischen Beweisrechtshilfe auf Grundlage der Europäischen Ermittlungsanordnung zu analysieren und anhand dessen praxistaugliche Fallgruppen zu entwickeln. Für diese Fallgruppen wurde ein grundsätzlicher und praxistauglicher Ansatz zur Bewertung der Verwertbarkeit herausgearbeitet.»The Admissibility of Evidence Obtained through European Investigation Orders in German Criminal Proceedings«: This thesis deals with the question of how evidence collected in other European countries can be used in German criminal proceedings. In addition to explaining the collection of evidence on the basis of European mutual legal assistance in criminal matters and the Directive on the European Investigation Order, this thesis presents a fundamental concept for the admissibility of such evidence in German criminal proceedings