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Zur Entstehung einer aktuellen politischen Vision
Das Ende der Armut ist erklärtes Ziel der Weltgemeinschaft. Nicht nur
unterschiedliche Deklarationen der Vereinten Nationen fordern ein Ende der
Armut, ebenso zeigen Ökonomen wie Jeffrey Sachs optimistisch auf, was getan
werden muss, damit die Armut genauso besiegt wird wie früher die Pocken.
Allerdings ist die Idee eines Endes der Armut nicht neu. In diesem Aufsatz
wird die Entstehung der Idee eines erreichbaren Endes der Armut historisch
rekonstruiert. Dabei wird deutlich, dass ein Ende der Armut erst dann zu einer
realistischen Option wurde, als man unter Armut nur noch absolute
Überlebensarmut verstand und Armut empirisch zu messen begann – und damit
Aspekte wie Ungleichheit ausblendete. Unsere Vorstellung davon, was Armut ist,
wurde durch diese enge Sichtweise nachhaltig geprägt. Das erhoffte Ende der
Armut wird daher genau nicht ein Ende dessen sein, was Armut eigentlich
ausmacht
Die zeitliche und soziale Struktur von Einkommensarmut: Eine Neubetrachtung auf der Basis einer qualitativen Auswertung des Sozio-Ökonomischen Panels
Zwei zentrale Ergebnisse der bundesdeutschen dynamischen Armutsforschung lassen sich in den Thesen zusammenfassen: 'Armut ist verzeitlicht' und 'Armut ist sozial entgrenzt'. Verzeitlichung von Armut meint, daß sich die Mehrheit der von Armut Betroffenen nur kurzfristig bzw. vorübergehend in einer Armutslage befindet. Darüber hinaus soll die zeitliche Heterogenität von Armutsverläufen zum Ausdruck gebracht werden. Soziale Entgrenzung auf der anderen Seite betont die Armutsbetroffenheit von Personen jenseits traditioneller Randschichten. In diesem Arbeitspapier werden die genannten Thesen aufgegriffen und erneut überprüft. Als Datenbasis dient eine Teilstichprobe des Sozio-Ökonomischen Panels, die 1985 verarmte Haushalte umfaßt. Diese Haushalte werden anhand eines qualitativen methodischen Zugriffs im Längsschnitt bis 1992 betrachtet. Im Ergebnis zeigt sich, daß die zeitliche Heterogenität von Armut begrenzt ist. Insgesamt lassen sich lediglich zwei in etwa gleich oft vorkommende Hauptverlaufsformen von Armut (kontinuierliche Armut und stabile Überwindung der Armut) in der betrachteten Zeitspanne zwischen 1985 und 1992 ausmachen. 'Wirklich' diskontinuierliche Armutsverläufe treten demgegenüber nur relativ selten auf. Der These der sozialen Entgrenzung von Armut ist insofern zuzustimmen, als nicht nur Randgruppen der Gesellschaft von Armut betroffen sind. Andererseits ist das Armutsrisiko doch im wesentlichen auf untere (Bildungs-)Schichten begrenzt, insbesondere, da hier traditionelle familiale Lebensformen (noch) vorherrschen. Darüber hinaus spielt der Faktor Bildung auch bei den Chancen zur dauerhaften Armutsüberwindung eine gewichtige Rolle
Armut in Deutschland verfestigt sich
Nach den Armuts- und Reichtumsberichten der Bundesregierung hat die Einkommensarmut in Deutschland den höchsten Stand seit 20 Jahren erreicht. Dieser statistische Befund wird vielfach als Beleg für die Existenz und das Wachstum einer "abgehängten Unterklasse" gesehen. In anderen Szenarien erscheinen große Teile der Gesellschaft vom Absturz in die Armut bedroht. Bezieht man die Dauer von individuellen Armutsphasen und die unterschiedlichen Lebensbereiche, in denen Notsituationen auftreten, in die Analyse ein, so zeigt sich eine Zunahme verfestigter Armut. Eine Ausbreitung der Prekarität, d. h. des Pendelns zwischen der "Mitte" und der "Armut", ist nicht zu beobachten. Hauptbetroffene verfestigter Armut sind nach wie vor Arbeiter, vor allem Arbeiterfamilien mit Migrationshintergrund oder mehreren Kindern. Armut entweder als Problem einer kulturell verwahrlosten neuen Unterschicht zu deuten oder als kollektive Abstiegsbedrohung der gesamten Gesellschaft zu dramatisieren, geht an der Realität vorbei
Die zeitliche und soziale Struktur von Einkommensarmut: Eine Neubetrachtung auf der Basis einer qualitativen Auswertung des Sozio-Ökonomischen Panels
Zwei zentrale Ergebnisse der bundesdeutschen dynamischen Armutsforschung lassen sich in den Thesen zusammenfassen: 'Armut ist verzeitlicht' und 'Armut ist sozial entgrenzt'. Verzeitlichung von Armut meint, daß sich die Mehrheit der von Armut Betroffenen nur kurzfristig bzw. vorübergehend in einer Armutslage befindet. Darüber hinaus soll die zeitliche Heterogenität von Armutsverläufen zum Ausdruck gebracht werden. Soziale Entgrenzung auf der anderen Seite betont die Armutsbetroffenheit von Personen jenseits traditioneller Randschichten. In diesem Arbeitspapier werden die genannten Thesen aufgegriffen und erneut überprüft. Als Datenbasis dient eine Teilstichprobe des Sozio-Ökonomischen Panels, die 1985 verarmte Haushalte umfaßt. Diese Haushalte werden anhand eines qualitativen methodischen Zugriffs im Längsschnitt bis 1992 betrachtet. Im Ergebnis zeigt sich, daß die zeitliche Heterogenität von Armut begrenzt ist. Insgesamt lassen sich lediglich zwei in etwa gleich oft vorkommende Hauptverlaufsformen von Armut (kontinuierliche Armut und stabile Überwindung der Armut) in der betrachteten Zeitspanne zwischen 1985 und 1992 ausmachen. 'Wirklich' diskontinuierliche Armutsverläufe treten demgegenüber nur relativ selten auf. Der These der sozialen Entgrenzung von Armut ist insofern zuzustimmen, als nicht nur Randgruppen der Gesellschaft von Armut betroffen sind. Andererseits ist das Armutsrisiko doch im wesentlichen auf untere (Bildungs-)Schichten begrenzt, insbesondere, da hier traditionelle familiale Lebensformen (noch) vorherrschen. Darüber hinaus spielt der Faktor Bildung auch bei den Chancen zur dauerhaften Armutsüberwindung eine gewichtige Rolle. --
Poverty in China's rural areas: Temporary or chronic?
Curbing poverty can surely be deemed to be one of the most eminent objectives on socio-political agendas. Progress in reducing worldwide poverty achieved in to date, however, makes rather sobering reading. China has considerably reduced the number of poor since commencement of economic reforms in the late 1970s. Still, there are ca. 170 million people affected by poverty. This paper investigates the issue whether poverty in China's rural areas is rather of a chronic or temporary nature and what the opportunities are of escaping poverty. Simultaneously, there are discussions whether certain factors rather favour or counteract chronic poverty.Die Bekämpfung von Armut kann sicherlich als eines der wichtigsten Ziele gesellschaftspolitischer Agenden angesehen werden. Die Bilanz der bisher erreichten Fortschritte bei der Bekämpfung der weltweiten Armut fällt allerdings ernüchternd aus. China reduzierte seit Beginn der ökonomischen Reformen Ende der 1970er Jahre in erheblichem Maße die Zahl der Armen. Dennoch sind immer noch ca. 170 Millionen Menschen von Armut betroffen. Dieser Beitrag befasst sich mit den Fragen, ob Armut in Chinas ländlichen Regionen eher chronischer oder temporärer Natur ist und welche Chancen bestehen, Armut zu entrinnen. Gleichzeitig wird diskutiert, ob bestimmte Faktoren chronische Armut eher begünstigen oder dieser entgegenwirken
Armut in West- und Ostdeutschland: ein differenzierter Vergleich
Von 1992 bis 2000 war für Ostdeutschland eine niedrige - und sich über die Jahre kaum verändernde - Einkommensungleichheit zu beobachten. Zugleich waren dort - gemessen an der für Ostdeutschland "regional" definierten Armutsgrenze - weniger Personen als im Westen von Armut betroffen. Für beide Teile Deutschlands gilt, dass etwa die Hälfte der im Beobachtungszeitraum begonnenen Armutsphasen ein Jahr später beendet war. Die Wahrscheinlichkeit für Menschen, die schon einmal arm waren, wieder unter die Armutsgrenze zu gelangen, ist in Westdeutschland höher als in Ostdeutschland. In beiden Regionen nimmt jedoch die Wahrscheinlichkeit, erneut arm zu werden, mit jedem weiteren Jahr außerhalb von Armut ab. Deren Bekämpfung sollte deshalb nicht ausschließlich darauf gerichtet sein, Menschen aus der Armut herauszuholen, sondern auch darauf zielen, dem (Wieder-)Eintritt in Armut vorzubeugen
Soziale Armut im Alter
Relative Armut in unterschiedlichen Bevölkerungsschichten rückt seit einigen Jahren verstärkt in die öffentliche Diskussion – sei es als Armut von Kindern, Langzeitarbeitslosen oder Geringverdienern, Alleinerziehenden oder Rentnern. Bei der Festlegung, wer arm ist, hat das persönliche Einkommen einen sehr hohen Stellenwert. Materielle Armut ist aber nur eine Seite der Medaille; die andere Seite besteht darin, dass von Armut betroffene oder bedrohte Personen häufig auch nur eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können – sei es, dass sie ausgegrenzt werden, sei es, dass sie sich selbst vom gesellschaftlichen Leben zurückziehen. Andererseits muss ein niedriges Einkommen nicht zwangsläufig mit Armut gleichgesetzt werden. Es ist ebenso gut denkbar, dass aktive soziale Teilhabe in unterschiedlichster Form einen Mangel an Einkommen durch „Zufriedenheit mit dem Leben“ teilweise kompensieren kann. Der Beitrag untersucht für Deutschland und die Jahre 2003 und 2008 auf der Grundlage der Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), ob insbesondere ältere Menschen, die von Armut betroffen sind, durch zusätzliche gesundheitliche Probleme betroffen sind bzw. weniger als nicht arme Ältere am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Erwartungsgemäß sind ältere Menschen zu einem höheren Anteil mit ihrem Gesundheitszustand unzufrieden als jüngere. Unter den Personen, deren Einkommen unterhalb der einkommensbezogenen Armutsgefährdungsschwelle liegt, ist ebenfalls ein signifikant höherer Anteil mit ihrer Gesundheit unzufrieden. Dass Einkommensarmut auch ein Gesundheitsrisiko darstellt, wird dadurch bestätigt. Entsprechende Befunde lassen sich für die Zufriedenheit mit der Freizeit nicht finden: Unter den älteren Menschen sind signifikant mehr mit ihrer Freizeit zufrieden als unter den Befragten im Erwerbsalter. Auch Einkommensarmut geht danach nicht mit größerer Unzufriedenheit mit der Freizeit einher
Einkommensarmut bei Zuwanderern überdurchschnittlich gestiegen: Armut häufig mit Unterversorgung in anderen Lebensbereichen gekoppelt
Die ökonomische Lage der in Deutschland lebenden Bevölkerung mit Migrationshintergrund hat sich von 1998 bis 2003 relativ verschlechtert; unter den Zuwanderern ist der Anteil der in Armut Lebenden überdurchschnittlich gestiegen. Besonders hoch ist die Betroffenheit von Armut bei den Älteren und Jüngeren. Das vom DIW Berlin in Zusammenarbeit mit Infratest Sozialforschung erhobene Soziooekonomische Panel (SOEP) zeigt, dass im Jahre 2003 28 % der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Alter von unter 20 Jahren in prekären Verhältnissen lebten. Bei den gleichaltrigen "Einheimischen" waren es deutlich weniger, wenngleich mit 20 % ebenfalls beunruhigend hoch. Vor allem Bürger türkischer Herkunft sind häufig von Einkommensarmut betroffen. Dagegen leben Migranten aus westlichen Ländern vergleichsweise selten in Armut. Eingebürgerte schneiden im Durchschnitt besser ab als Ausländer; dies gilt allerdings nicht für Aussiedler. Überaus bedenklich ist, dass Armut für viele Zuwanderer nicht ein vorübergehendes Phänomen, sondern ein dauerhafter Zustand ist. Dieses Problem kann langfristig nur durch bessere Bildung und Ausbildung gelöst werden
Armut in Deutschland: Versagt der Sozialstaat?
Empirische Untersuchungen haben nachgewiesen, dass es in Deutschland in einem beträchtlichen Ausmaß Armut gibt. Wie wird Armut definiert? Wie kann man Armut messen? Hat in Deutschland die Ungleichheit der Einkommensverteilung zugenommen? Welche Maßnahmen müssten ergriffen werden, um Armut zu verhindern? --
Workshopbericht: Armut und Bibliotheken (Nürnberg 2015)
Der Text berichtet von einem Workshop zum Thema "Armut und Bibliotheken", der auf dem Bibliothekstag 2015 in Nürnberg durchgeführt wurde. Im Text werden die Diskussionen, die an drei Tischen zu den Themen "Können Bibliotheken Menschen in Armut dabei helfen, ihren Alltag zu gestalten?", "Können Bibliotheken Menschen in Armut dabei helfen, aus der Armut auszusteigen?" und "Können Bibliotheken Kinder und Jugendliche in Armut unterstützen?" vorgestellt und diese zusammengefasst. Im Workshop kristallisierte sich heraus, dass viele Kolleginnen und Kollegen am Thema interessiert sind, aber wenig Austausch dazu stattfindet. Grundsätzlich wäre Menschen in Armut zu helfen, wenn Angebote so gestaltet werden, dass sie diese Menschen nicht in ihrer sozialen Situation diskriminieren, aber sie gleichzeitig am meisten unterstützen. Gleichzeitig wurden viele Formen von Kooperationen angedacht
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