Second Language Interactional Competence in Virtual Exchanges. A Conversation Analysis of EFL-Teacher Students in a German-Israeli Online Intercultural Exchange

Abstract

Dieser Datensatz wurde geändert; siehe Bemerkung Die vorliegende publikationsorientierte Dissertation widmet sich dem Phänomen der fremdsprachlichen Interaktionalen Kompetenz (L2 Interactional Competence, im Folgenden: L2 IC) im Kontext hochschulischer virtueller Austausche (Virtual Exchanges). Aufbauend auf vier Publikationen wird untersucht, wie sich L2 IC in schriftlich-synchroner, schriftlich-asynchroner sowie in multimodal-videovermittelter Interaktion zwischen Lehramtsstudierenden entfaltet und situativ hergestellt wird. Die Arbeit ist interdisziplinär situiert und verortet sich im Schnittfeld von konversationsanalytischer Fremdsprachenerwerbsforschung, digitaler Hochschuldidaktik und empirisch fundierter Virtual Exchange-Forschung. Theoretisch basiert die Arbeit auf einem diskurspragmatischen Verständnis von Interaktionalität, das auf Ethnomethodologie (Garfinkel, 1967) und Konversationsanalyse gründet (u.a. Sacks/Schegloff/Jefferson 1974; Mondada 2019), wobei Interaktionale Kompetenz nicht als feststehende Ansammlung individueller Fähigkeiten, sondern als situiert emergierendes Handlungsvermögen im Rahmen sozialer Aktivitäten aufgefasst wird. Im Sinne von Hall, Hellermann und Pekarek Doehler (2011) wird L2 IC als dynamisch-kooperativer Herstellungsprozess konzeptualisiert, der im Vollzug von Aktivitäten wie linguistisches Reparieren (repair), Themensteuerung (topic management) oder interaktionale Ausrichtung oder Abgrenzung (dis-/alignment) beobachtbar wird. In der Auseinandersetzung mit L2 IC wird zudem ein innovativer Rahmen („The Five Natures of IC“) entwickelt, der unterschiedliche konzeptuelle Perspektiven auf L2 IC, nämlich die lokale, prozedurale, multimodale, dynamische und soziale Dimension, bündelt und als theoretische Grundlage der konversationsanalytischen Studien innerhalb dieser Dissertation dient. Im Zentrum der Arbeit stehen vier begutachtete Fachartikel, von denen drei bereits veröffentlicht wurden und einer zur Publikation eingereicht ist. Während der erste Beitrag eine theoretisch-konzeptionelle Einordnung virtueller Austausche vornimmt, unter Rückgriff auf lerntheoretische Modelle wie Experiential Learning (Kolb, 1984) und Online Collaborative Learning (Harasim, 2012), konzentrieren sich die drei anschließenden Studien auf die empirische Analyse interaktionaler Praktiken. Diese beruhen auf konversationsanalytischen Untersuchungen videobasierter Online-Interaktionen zwischen deutschen und israelischen Lehramtsstudierenden des Faches Englisch, die im Rahmen des Telekollaborationsprojektes Extended Telecollaboration Practice (kurz ETP; www.telecollaboration.eu; s. Waldman, Harel, & Schwab, 2019) durchgeführt wurden. Die drei empirischen Studien (Artikel 2 bis 4) widmen sich der Konversationsanalyse interaktionaler Praktiken in Online-Teammeetings der Studierenden. Analysiert werden videobasierte Interaktionen, die im Rahmen des ETP-Projektes aufgezeichnet wurden. Die Daten wurden auf Basis multimodaler Transkriptionsverfahren (GAT2, Mondada 2014) aufbereitet und mit konversationsanalytischen Mitteln ausgewertet. Die zweite Studie betrachtet im Rahmen einer konversationsanalytischen Querschnittsstudie initiale videobasierte Begegnungen zwischen israelisch-deutschen Studierendengruppen und zeigt, wie Teilnehmende trotz technischer Begrenzungen und medialer Asymmetrien gemeinsame Bezugspunkte herstellen, Sprecherwechsel organisieren und epistemische Unsicherheiten aushandeln. Dabei wird deutlich, dass Ressourcen wie Körpersprache, Blickführung und prosodische Markierungen gezielt eingesetzt werden, um Verständigung zu ermöglichen und affektives Alignment herzustellen. Gleichzeitig wird sichtbar, dass der Einsatz lokaler Erstsprachen (L1) ambivalente Effekte hat: Er kann entweder affiliativ wirken oder, etwa bei lokalem Code-Switching zur Erstsprache, die Partizipation der „virtuellen“ Team-Mitglieder negativ beeinträchtigen. Die dritte Studie verfolgt ein einzelnes deutsch-israelisches Team über sieben Zoom- Sitzungen hinweg. Im Fokus dieser Längsschnittstudie steht die Entwicklung von Turn-Taking- Praktiken im Verlauf eines Semesters. Die Analyse offenbart, dass sich interaktionale Routinen über die Zeit herausbilden, etwa durch explizite Adressierung oder Pausensetzung. Zugleich wird jedoch deutlich, dass diese Entwicklung nicht linear verläuft: Teilweise entstehen Dominanzgefälle, bei denen einzelne Sprecher:innen zunehmend die Gesprächsführung übernehmen und andere Beteiligte wiederholt unterbrechen, was nicht nur auf technologische Schwierigkeiten zurückzuführen ist. Die vierte Studie rückt Praktiken des Topic Management in den Mittelpunkt und untersucht, wie Gesprächsteilnehmende Themen initiieren, weiterführen oder wechseln, insbesondere unter hybriden Bedingungen mit lokal kopräsenten und gleichzeitig virtuell zugeschalteten Partner:innen. In einem Fallstudien-ähnlichen Design wird eine einzelne längere Sequenz derselben Gruppe analysiert und gezeigt, wie bestimmte Teilnehmende Themenverläufe unilateralisieren, während andere durch Rekapitulation, explizite Anschlussangebote oder adressierte Einladungen kohärente Gesprächsentwicklung fördern. Hier wird deutlich, dass gelingende Themensteuerung nicht vorrangig eine Frage sprachlicher Kompetenz, sondern interaktionaler Sensibilität ist. In ihrer Zusammenschau verdeutlichen die Studien, dass Interaktionale Kompetenz kontextgebunden ist und sich im virtuellen Raum anders artikuliert als in reiner Präsenzinteraktion. Zum anderen zeigen sie auf, dass virtuelle Austauschformate Lernräume eröffnen, in denen fremdsprachliches Handeln nicht nur auf sprachlicher, sondern auch auf epistemischer, interkultureller und reflexiver Ebene geformt wird. Gerade für angehende Lehrkräfte bieten solche Settings Gelegenheiten zur Ausbildung professionsrelevanter Kompetenzen. Methodologisch verweist die Dissertation auf das Potenzial konversationsanalytischer Verfahren zur Untersuchung digital vermittelter Kommunikation. Die konversationsanalytische Betrachtung natürlicher Interaktion (talk-in-interaction) erlaubt differenzierte Einblicke in sprachlich-kommunikative Aushandlungsprozesse, die in traditionell testbasierten Kompetenzmodellen häufig unberücksichtigt bleiben. Abschließend werden Implikationen für die curriculare Integration virtueller Austauschformate in der Lehrer:innenbildung sowie Perspektiven für ein interaktionsbasierte Sprachbeurteilung im digitalen Raum skizziert. Literaturverzeichnis Garfinkel, H. (1967). Studies in ethnomethodology. Prentice-Hall. Hall, J. K., Hellermann, J., & Pekarek Doehler, S. (Eds.). (2011). L2 interactional competence and development. Multilingual Matters. Harasim, L. M. (2012). Learning theory and online technology. Routledge. Kolb, D. A. (1984). Experiential learning: Experience as the source of learning and development. Prentice-Hall. Mondada, L. (2014). The local constitution of multimodal resources for social interaction. Journal of Pragmatics, 65, 137–156. https://doi.org/10.1016/j.pragma.2014.04.004 Mondada, L. (2019). Contemporary issues in conversation analysis: Embodiment and materiality, multimodality and multisensoriality in social interaction. Journal of Pragmatics, 145, 47–62. https://doi.org/10.1016/j.pragma.2019.01.016 Sacks, H., Schegloff, E. A., & Jefferson, G. (1974). A simplest systematics for the organization of turn-taking for conversation. language, 50(4), 696-735. Waldman, T., Harel, E., & Schwab, G. (2019). Extended telecollaboration practice (ETP) in teacher education: Towards pluricultural and plurilingual proficiency. European Journal of Language Policy, 11(2), 167–185

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This paper was published in Hochschulschriftenserver der PH Ludwigsburg.

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