Seit den 2000er Jahren sind Darstellungen von LGBT-Personen in analogen und digitalen Medien sichtbarer geworden. Insbesondere die Anerkennung der LGBT-Rechte durch die Europäische Union und das Europäische Parlament im Rahmen der Menschenrechte und deren rechtlicher Schutz haben dazu geführt, dass diese Darstellungen ihren Platz im Mainstream gefunden haben. In diesem Sinne werden LGBT-Darstellungen beim Eurovision Song Contest (ESC) als Träger der Werte der Europäischen Union präsentiert (Rehberg 2007; Ehardt & (Hg_innen), 2015; Baker, 2017). In den letzten zwei Jahrzehnten hat der Eurovision Song Contest (ESC) als Instrument europäischer Werte eine ästhetische Möglichkeit signalisiert (Baker 2017, S. 99). Diese ästhetische Möglichkeit ist mit der Ausweitung der Sichtbarkeit und Repräsentation von LGBT verbunden (ebd.). Und doch wird diese ästhetische Möglichkeit immer noch im übergeordneten Rahmen nationaler und europäischer Identität definiert (Rehberg 2007). Diese Möglichkeit analysiere ich in meiner Dissertation aus einer Queer-Perspektive. Queer ist deshalb eine Methode der Kritik, die den Zusammenhang zwischen geschlechtsspezifischen Repräsentationen und Macht offenlegt (Butler 1990). Während die Inszenierung nationale Symbole, Codes und Bilder, Nationalflaggen, hymnische Eröffnungsmusiken und mainstream-kompatible ästhetische Vorlieben beinhaltet, enthält sie auf der anderen Seite ästhetische Elemente der LGBT-Ästhetik wie Drag Queen, Parodie, Butch und Regenbogenflagge. Ziel meiner Doktorarbeit ist es, durch eine Inszenierungsanalyse zu verstehen, wie LGBT-Darstellungen in den letzten zwanzig Jahren beim ESC als Teil europäischer und nationaler Identität inszeniert wurden. Anhand von fünf Aufführungen, in denen das Thema LGBT in den letzten zwanzig Jahren „inszeniert“ wurde, werden szenische Elemente wie Raum, Bühne, Publikum, Choreographie, Figur, Kostüm, Maske und Frisur, Beleuchtung und Text analysiert. Ich untersuche, ob diese Aufführungen, die Teil der Populärkultur sind, eine „queere ästhetische Möglichkeit“ in sich tragen. Der ESC kann eine queere Möglichkeit sein, aber nicht immer. Deshalb analysiere ich diese 5 Beispiele, in denen der ESC keine queere Möglichkeit in sich trägt.
Meine Hauptthese ist, dass queer keine Kategorie der Identität ist. Alle Definitionen von Identität, die dem Kolonialismus innewohnen, werden auf der Grundlage nationaler Identitätsdoktrinen produziert. Insofern reproduziert der ESC die europäische Identität innerhalb des Diskurses der nationalen Identität. Daher sind LGBT-Darstellungen nur dann repräsentativ, wenn sie innerhalb dieses Rahmens definiert werden. Deshalb behaupte ich, dass eine queere Möglichkeit in diesen Inszenierungen versäumt wird.
In dieser Hinsicht lautet meine Hauptfrage in meiner Dissertation: Wie werden LGBT-Personen Teil der europäischen/nationalen Identitätskonstruktion beim ESC? Lässt sich der Begriff Queer als eine Möglichkeit zur Befreiung von Identitätskategorien auf der Bühne erkennen/lesen? Können diese Darstellungen eine neue ästhetische Repräsentation ermöglichen?
Schlüsselwörter: Eurovision Song Contest, LGBT-Personen, Queer-Theorie, Liveness, Inszenierungsanalyse, Poststrukturalismus, szenische Elemente, Identität, Fankultu
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