Wahrnehmung und Umgang mit Kindesmisshandlung und -vernachlässigung Eine Befragung von Lehrer*innen sowie Ärzt*innen

Abstract

Die vorliegende Studie analysierte die Wahrnehmung und das Wissen von Ärzt*innen und Lehrer*innen bezüglich Kindesmisshandlung und -vernachlässigung. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass beide Berufsgruppen regelmäßig mit solchen Fällen konfrontiert sind, jedoch erhebliche Unterschiede in ihrem Wissensstand, ihrer Ausbildung und ihrer Einschätzung der Schweigepflicht bestehen. Diese Erkenntnisse lassen sich in mehrere Themenschwerpunkte unterteilen, die spezifische Aspekte der Problematik beleuchten. Beide Berufsgruppen erkennen dringend die Notwendigkeit, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren und fordern die Integration von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung als festen Bestandteil in die berufliche Ausbildung sowie regelmäßige Weiterbildungen. Die Ergebnisse betonen die breite Unterstützung für die Implementierung klarer und allgemein gültiger Richtlinien im Umgang mit Verdachtsfällen. Besonders auffällig sind die Unterschiede in der Selbstwahrnehmung des Informationsstands: Während ein Großteil der Ärzt*innen angibt, ausreichend informiert zu sein, zeigt sich bei den Lehrer*innen ein deutlich höherer Bedarf an zusätzlichen Informationen und Schulungen. Diese Diskrepanz unterstreicht die Notwendigkeit gezielter Fortbildungsmaßnahmen, um die Handlungssicherheit und das Wissen zu verbessern. Ebenso werden Herausforderungen im Umgang mit der Schweigepflicht deutlich, die durch klare Richtlinien und Schulungen gelöst werden müssen. Die vorliegenden Ergebnisse legen nahe, dass weitere Forschung erforderlich ist, um verschiedene Aspekte der Kindesmisshandlung und -vernachlässigung tiefergehend zu untersuchen und praxisrelevante Erkenntnisse zu gewinnen. Zukünftige Studien könnten sich beispielsweise auf folgende Bereiche konzentrieren: 1. Effektivität von Schulungen und Weiterbildungen: Es wäre von großem Interesse, die langfristige Wirksamkeit von Schulungsprogrammen zur Früherkennung und Intervention von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung zu evaluieren. Dabei könnten verschiedene Schulungsformate und deren Einfluss auf das Wissen, die Selbstwahrnehmung und das Verhalten der Fachkräfte verglichen werden. 2. Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Netzwerkbildung: Eine vertiefte Untersuchung der Zusammenarbeit zwischen Ärzt*innen, Lehrer*innen und anderen Fachkräften im Kinderschutz könnte aufzeigen, wie Netzwerke effektiv gestaltet werden können, um die Identifikation und Unterstützung betroffener Kinder zu verbessern. 3. Einfluss externer Faktoren: Es wäre wichtig, externe Faktoren wie gesetzliche Rahmenbedingungen, kulturelle Unterschiede und sozioökonomische Einflüsse auf die Wahrnehmung und das Handeln bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung zu untersuchen. Dies könnte helfen, maßgeschneiderte Interventionen und Unterstützungsmaßnahmen zu entwickeln. 4. Langzeitfolgen und präventive Maßnahmen: Langfristige Studien zur Erfassung der Langzeitfolgen von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung sowie präventiver Maßnahmen könnten Einblicke in die langfristigen gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen bieten und die Effektivität von Präventionsansätzen evaluieren. Die Berücksichtigung dieser Aspekte könnte dazu beitragen, die Fachkräfte im Kinderschutz besser zu unterstützen, die Versorgung betroffener Kinder zu optimieren und langfristig positive Veränderungen im Umgang mit Kindesmisshandlung und -vernachlässigung zu fördern

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This paper was published in Publication Server of Greifswald University.

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