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Menschen- und Weltbild in Entwicklungstheorien

By Alexandra Grieshofer

Abstract

Das Feld der Entwicklungsforschung ist ein sehr heterogenes und bereits in der Verwendung des Entwicklungsbegriffs spiegelt sich die inhärente Widersprüchlichkeit dieser wissenschaftlichen Disziplin. Entwicklung ist ein Produkt der Moderne, und so lassen sich auch die Entwicklungstheorien (des „Developmentalismus“) bis zu den Debatten um das „Scheitern der großen Theorien“ und dem „Ende der Entwicklungsära“ in den 1980er Jahren in einen modernen Denkrahmen einordnen. Das Theorieverständnis jener Zeit ist geprägt von einem Glauben an eine mögliche und erreichbare Entwicklung, wobei dieser Optimismus durch das Aufkommen der Post-Moderne gebrochen wird. Die dadurch entstehenden Neuansätze dekonstruieren die moderne Vorstellung von Entwicklung und orientieren sich vielmehr an einer partikularen Theoriebildung. Die Ablehnung des developmentalistischen Wahrheitsanspruches und der Fokus auf Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten ist Konsequenz des post-modernen Wandels im Sinne einer Weiterführung bzw. Radikalisierung des modernen Wirklichkeitsverständnisses. \ud Dies zeigt sich in besonderer Weise auch im zugrunde liegenden Menschenbild der Entwicklungstheorien. Ausgehend von einem absolut gesetztem Subjekt der abendländischen Moderne, welches für sich das Zentrum der Welterfahrung einnimmt, versucht ein post-moderner Denkrahmen dieses zu dekonstruieren und somit zu überwinden. Dieses Vorgehen führt jedoch einerseits zur Reproduktion des absoluten Individuums (etwa im Post-Development) und andererseits zu einer vollständigen (rhetorisch-fiktionalen) Aufhebung des Menschen (in den postkolonialen Studien). \ud Dahingehend zeichnet sich die Disziplin der Entwicklungsforschung – welche den Umgang mit Alterität zum Gegenstand hat – dadurch aus, dass entweder eine Distanz zum Anderen durch Abhängigkeit, Abgrenzung und/oder Ausbeutung beständig aufrecht erhalten werden muss, oder die Dekonstruktion/Destruktion des Subjekt-Objekt-Verhältnisses vielmehr in einer Orientierungslosigkeit und dem Verlust jeglicher praktischer Handlungsanleitung für das Subjekt mündet. Da also die Post-Moderne den modernen Denkrahmen weiterführt und radikalisiert, ist auch eine Überwindung des modernen Menschenbildes ausgeschlossen, da auf kein neues Subjektverständnis zugegriffen werden kann. \ud Aufgrund des epistemischen Fundaments und dem zugrunde liegenden Subjektverständnis ist es folglich den Entwicklungstheorien nicht möglich, den Anderen (als Kollektiv- oder Einzelsubjekt) in seiner Andersheit wahrzunehmen und anzuerkennen. So könnte hingegen ein „trans-modernes“ Wirklichkeitsverständnis und ein relationales Menschenbild – als eine Besinnung auf die relationale Grundverfassung des/der Menschen (mit der gleichsamen Aufgabe des eigenen Absolutheitsanspruches) – einen neuen, fruchtbaren Ansatz für die Entwicklungstheorie darstellen, um die Gestaltung eines sozialen, dialogischen Mit-Einanders in einer globalisierten Welt zu erreichen.Research in development studies is heterogeneous by nature whereby the inherent inconsistency of the discipline is already echoed in adopting the term “development” which is a founding belief of modernity. From scientific foundation of development research up to the debates about „the failure of the big stories“ and „the end of the developmental era“ in the 1980s appears as a reflection of modern thought. The theoretical understanding in that time era considered development as feasible and attainable, whereby this it’s optimism is (was) broken by the rise of post-modernism. The new beginnings resulting from that, deconstruct the modern conception of development and promote the establishment of theories on a smaller scale. The refusal of the developmentalist authority of truth and the focus on possibilities and probabilities are consequences of the post-modern turn in the sense of a continuation and/or radicalisation of the modern concept of reality.\ud This is particularly evident in the underlying conception of man in development theories. The philosophy of the absolute human subject, that possesses the truth, is the core of modern thinking and finds its expression in developmentalist theories. In this context, the post-modern framework tries to deconstruct and overcome this conception of the absolute subject. This task leads to the reproduction of the absolute individual (in Post-Development Studies) as well as to the complete denial (rhetorical and fictional) of the human being (in Postcolonial Theories). \ud To that effect, the discipline of development studies whose 'object' is that of alterity deals with otherness in two different ways corresponding to the epistemic background. On the one hand the theories of modern thought have to uphold the distance to “the other” in terms of dependence, delineation and/or exploitation. On the other hand the deconstruction/destruction of the subject-object relationship in a post-modern framework results rather in disorientation and the loss of any choice of action for the subject itself. As post-modernity perpetuates and radicalises modern thought without offering any accessible new understanding of self-conception, it is impossible for these theories to overcome the modern subjectivism in that context.\ud Due to the epistemic background with its corresponding conception of man, development theories are unable to notice and recognize “the other” (as collective or single subject). Therefore this thesis argues that only by acknowledging otherness in terms of a relation between “I” and “Thou”, can bring about a dialogical cooperation in a globalized world. So however a “trans-modern“ understanding of reality and a relational conception of man could constitute a new and fruitful approach for development studies

Topics: 10.02 Philosophie und Theorie der Geisteswissenschaften, 10.00 Geisteswissenschaften allgemein: Allgemeines, 70.02 Philosophie und Theorie der Sozialwissenschaften, Entwicklungsforschung / Entwicklungstheorien / Moderne / Postmoderne / Subjekt / Objekt / cartesianisches Ego / Weltbild / Wirklichkeitsverständnis / Erkenntnistheorie / Dialogphilosophie, development research / development theories / modernism / post-modernism / subject / object / cartesian ego / dialogical philosophy / world view / epistemology
Year: 2012
OAI identifier: oai:othes.univie.ac.at:21113
Provided by: OTHES
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