Der heilige Gerhard ist der erste Märtyrerbischof Ungarns, eine symbolische Gestalt des
ungarischen Christentums. Sein mittelalterlicher Kult war weniger bedeutend als der
der Heiligen aus dem Árpádenhaus, aber in der Galerie der ungarischen Heiligen war er
immer vorhanden. Seine Hauptkultstätten in Ungarn wurden im Laufe der Jahrhunderte
zerstört. Erst ab dem 19. Jahrhundert entstanden aufgrund kleinerer Reliquien, die aus
Murano zurückerhalten werden konnten, neue Erinnerungsstätten. Das Verhältnis der
politischen Macht zu Gerhard ist seit dem Ende des 19. Jahrhunderts abhängig von deren
jeweiliger Stellung zum Christentum. Ihn zu feiern – mitunter auch auf recht demonstrative
Weise – wurde im 20. Jahrhundert anläßlich der Jubiläen möglich. Seit dem Systemwechsel
von 1989 erneuerte sich mit dem auflebenden Kult der ungarischen Heiligen
auch die Gerhard entgegengebrachte religiöse Verehrung