Diese kultur- und sozialanthropologische Studie befasst sich mit der Wahrnehmung von ethnisch definierten Unterschieden innerhalb der südtiroler Gesellschaft aus der Perspektive von zugewanderten Nicht-EU-BürgerInnen. Sie fragt danach, wie sich diese ethnisch definierten Unterschiede auf die befragten InterviewpartnerInnen auswirken.
In Südtirol wird die deutsche-, die ladinische-, und die italienische Sprache gesprochen. Diese Sprachgruppen repräsentieren auch die Bevölkerungsgruppen in der Provinz Bozen. Die Aussagen von in Südtirol lebenden ImmigrantInnen verdeutlichen, was es für diese bedeuten kann, in eine ethnisch segmentierte Gesellschaftsstruktur mit dementsprechenden alltagspraktischen, sozioökonomischen und gesellschaftspolitischen Institutionalisierungsebenen hineinzuwachsen. Die Tatsache, dass EinwandererInnen Ethnizität als regionalspezifische Ausformung des Beziehungsverhältnisses zwischen den lokalen Bevölkerungsgruppen wahrnehmen, und dass sich dieses Phänomen in weiterer Folge auf deren Integration auswirkt, stellt nicht nur die forschungsleitende Frage der Arbeit dar. Sie ist gleichzeitig das zentrale Ergebnis meiner Feldforschung.
ImmigrantInnen sind auf verschiedenen Ebenen von Ethnizität zwischen den Bevölkerungsgruppen betroffen. Das bedingt und prägt Leben, Denken, Handeln und Partizipationsmöglichkeiten von EinwandererInnen in Südtirol. Der Umgang der ImmigrantInnen mit diesem gesellschaftspolitischen Spezifikum in der Region reicht von diplomatischem Heraushalten bis hin zur Identifikation mit dem ethnischen Konstrukt. Ethnizität hängt laut meinen InterviewpartnerInnen eng mit Sprache zusammen. Eine der „großen“ Sprachen (Deutsch oder Italienisch) zu sprechen ermöglicht die Partizipation an nur einer Gruppe im Land. Um vollständig integriert zu sein, erscheint es vielen EinwandererInnen nötig, beide Sprachen zu Sprechen