Die Divergenz zweier Identitätskonzeptionen wird
deutlich, wenn man bedenkt, dass in Praktischer
Philosophie, Psychologie, Sozialwissenschaften und im
Alltag davon gesprochen wird, eine Person bilde ihre
Identität aus, verändere ihre Identität, verlöre ihre Identität
oder sie habe gar mehrere Identitäten. Der theoretische
Identitätsbegriff scheint mit solchen Redeweise nicht
vereinbar zu sein, denn ein verbreiteter Konsens besagt
‚No entity without identity" und das impliziert die
Überzeugung, dass eine Entität jeweils eine Identität hat,
nicht mehr und nicht weniger. Die Selbigkeit einer Entität
beinhaltet die Veränderungen, die ihr widerfahren;
Veränderungen führen nicht zu einer Vielzahl von
Identitäten. Ebenso wird ausgeschlossen, dass etwas
noch keine Identität besitzt, sondern diese erst im Lauf
einer Entwicklung erwirbt