Der Beitrag diskutiert die Auswirkungen einer nicht-residualen Ausschüttungspolitik auf die Modigliani/Miller-Anpassungsformeln in einer Welt differenzierter, Dividenden, Zinsen und Kursgewinne unterschiedlich behandelnder persönlicher Steuern. Entsprechende Einflüsse auf den Zusammenhang zwischen den Eigenkapitalkosten eines verschuldeten
und eines unverschuldeten Unternehmens werden von der Literatur regelmäßig nicht modelliert.
In Erweiterung der Ergebnisse von Modigliani (1982) werden die Eigenkapitalkosten des verschuldeten Unternehmens erstmals für den Fall variabler Dividenden und Fremdkapitalbestände sowie in einem verallgemeinerten Steuersystem mit drei differenzierten Steuersätzen
abgeleitet.
Die Anpassungsformeln enthalten einen „Ausschüttungseffekt“, der die steuerliche Belastungsdifferenz
zwischen Ausschüttungen und Kursgewinnen ausdrückt und nicht deckungsgleich
mit dem in der Literatur diskutierten Tilgungs- oder Ausschüttungsdifferenzeffekt
ist. Die Analyse zeigt, dass die Literaturdarstellungen der Modigliani/Miller-Anpassungen zwar bei residualer Ausschüttung der Free Cashflows zu verwenden sind, nicht aber bei Teilausschüttung und gespaltener Besteuerung von Dividenden und Kursgewinnen