In der Dissertation wird davon ausgegangen, dass die Anpassung der ausländischen Jugendlichen an die Gesellschaft beeinflusst wird durch deren Lebensumwelten, wie z.B. die Schule, die Familie und die Freunde. Forschung zu Fragestellungen aus den Lebensumwelten Schule und Familie existiert bereits. Dahingegen ist der Forschungsstand zu Freundschaften ausländischer Jugendlicher und deren Auswirkungen eher als spärlich anzusehen. Die Freundschaften von ausländischen Jugendlichen werden in den Fokus der Dissertation gerückt und als soziales Kapital aufgefasst. Einerseits wird untersucht, ob sich das soziale Kapital der ausländischen Jugendlichen aus intra- und interethnischen Freundschaften unterscheidet und andererseits ob das soziale Kapital aus intra- und interethnischen Freundschaften einen Einfluss auf die Akkulturationsabsichten der Jugendlichen mit Migrationshintergrund besitzt. Dieses Thema wird im Theorieteil der Arbeit in die drei unterschiedlichen Forschungskontexte Sozialkapital-, Akkulturations- und Jugendforschung eingebettet. Empirisch basiert die Dissertation auf zwei voneinander unabhängige Studien (Längsschnittstudie und Ergänzungsstudie). In der Längsschnittstudie wird auf den Frient-Datensatz zurückgegriffen und speziell der Zusammenhang zwischen der Freundschaftsart, der Einstellungen, der personalen Ressourcen und der Akkulturationsstrategien, basierend auf den Daten von türkischen Jugendlichen, ausgewertet. In der Ergänzungsstudie wird der Versuch unternommen, durch eine andere Herangehensweise das soziale Kapital in Jugendfreundschaften zu definieren und dessen Auswirkung auf die Akkulturationsstrategien näher zu untersuchen. Das Neue an dieser Herangehensweise besteht darin, basierend auf Colemans Sozialkapitalansatz Skalen zu generieren und damit fußend auf dieser Theorie die Produktivkraft des sozialen Kapitals innerhalb der einzelnen Freundschaftsarten (ausländisch-ausländisch versus ausländisch-deutsch) zu bestimmen. Zusammenfassend im Hinblick auf die Ergebnisse der Längsschnittstudie kann festgehalten werden, dass sich intra- und interethnische Freundschaften hinsichtlich inhaltlicher Merkmale (Konflikthaftigkeit, Intimität, Freundschaftsqualität, Reziprozität, Entwicklungsaufgabenbewältigung, Autonomie der Freundeswahl) nicht voneinander unterscheiden. Eine Ausnahme bildet in diesem Zusammenhang allerdings das Konstrukt Aktivitätsintensität. Demnach unternehmen in eher intraethnischen Freundschaftsnetzwerken türkische Jugendliche mehr in ihrer Freizeit miteinander als türkische Jugendliche mit einem eher interethnischen Freundschaftsnetzwerk. Auswirkungen des sozialen Kapitals aus intra- und interethnischen Freundschaften konnten nur bei den Konstrukten Kulturelle Offenheit und Integration türkischer Jugendlicher gefunden werden. Ein weiteres Ergebnis der Arbeit ist, dass die Einstellungen (operationalisiert über die Kulturelle Offenheit) der türkischen Jugendlichen nicht deren Akkulturationsstrategien beeinflussen, sondern die Akkulturationsstrategien Integration und Separation Auswirkungen auf die Kulturelle Offenheit haben. Die Ergebnisse der Ergänzungsstudie weisen daraufhin, dass Jugendliche mit einem Migrationshintergrund, die eine ausländisch-deutsche Freundschaft führen assimilierter sind als diejenigen mit einer ausländisch-ausländischen Freundschaft. Im Hinblick auf das soziale Kapital unterscheiden sich die Migrantenjugendlichen mit ausländisch-ausländisch und ausländisch-deutschen Freundschaften in den Dimensionen Verpflichtung und Erwartung sowie Herrschaftsbeziehungen nicht. Die Hypothesen hinsichtlich der Auswirkungen des sozialen Kapitals auf die Dimensionen Informationspotential sowie Normen und wirksame Sanktionen konnten nicht bestätigt werden. Weiterhin mussten einige Forschungshypothesen hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen den Sozialkapitaldimensionen und den Akkulturationsstrategien verworfen werden