Die Diplomarbeit untersucht Gründe für die gegenwärtig diskutierte Auffassung, Bildung sei als Transformation von Selbst- und Weltverhältnissen zu verstehen. Im Verlauf der Arbeit kommen unterschiedliche Konzepte transformatorischer Bildungstheorien ins Blickfeld: Arbeiten von Rainer Kokemohr, Winfried Marotzki und Hans-Christoph Koller werden rekursiv herangezogen, um die Spezifik des untersuchten „bildenden“ Transformationsbegriffs zeigen und kritisch darlegen zu können. Herausgearbeitet werden u. a. folgende Thesen: Die Fassung, Bildung könne als Transformation verstanden werden, spielt an auf neuartige gesellschaftliche Veränderungen, die mit der rasanten digitalen und globalen Verbreitung von Informationen zu tun haben. Einerseits ergeben sich dadurch Individualisierungsschübe, durch die Subjekte verstärkt gezwungen werden, ihre Biographien selbstreflexiv zu entwerfen. Zum anderen erhalten Subjekte durch beschleunigte gesellschaftliche Umbruchsprozesse erweiterte Handlungsspielräume, welche zur Herausbildung von neuen Selbst- und Weltverhältnissen beitragen können. Des weiteren wird die These herausgearbeitet, dass Bildung, wenn sie transformatorisch gefasst wird, weder mit dem Gedanken einer Höherbewegung des Subjekts vereinbar ist, noch mit der Vorstellung, Bildung könnte telosorientiert sein. Bildung, das scheint eine gängige Auffassung namhafter gegenwärtiger Bildungstheoretiker zu sein, erscheint aus transformatorischer Sicht als Modus zur Problemverarbeitung. Diese Perspektive auf den Bildungsbegriff wird in der Diplomarbeit allerdings differenziert gesehen: Der Vorteil des transformatorischen Bildungsverständnisses liegt möglicherweise in der Fähigkeit, Bildung für jedes Subjekt einer Gesellschaft geltend machen zu können, indem Hierarchisierungen vermieden werden. Ein Nachteil erweist sich aber im theorieimmanten Fehlen von konkreten Angaben zu Problemen, die Bildungsrelevanz für sich beanspruchen können. Darauf wird in bestehenden Konzepten transformatorischer Bildungstheorie aber nicht hinreichend eingegangen. Der legitimatorische Status transformatorischer Bildungstheorie bleibt damit notgedrungen offen