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Armut und Gesundheit

Abstract

Im Mittelpunkt der Untersuchung standen die Zusammenhänge zwischen chronischem Stress, Strategien der Stressverarbeitung und Gesundheitsbeschwerden bei Armutsbetroffenen. Basierend auf der transaktionalen Stresstheorie sowie Ressourcenmodellen wurden die moderierenden und mediatierenden Variablen im „resource appraisal“ untersucht. Weiters erfolgte eine Erfassung der subjektiven Gesundheitsbeschwerden, der aktuellen Erkrankungen und der chronischen Krankheiten der Befragten.Als Erhebungsinstrumente dienten das Trierer Inventar zum chronischen Stress (TICS), der Stressverarbeitungsbogen (SCF-120), der Kohärenzsinn-Fragebogen (SOC-13) und die Freiburger Beschwerdenliste (FBL-R). Die Stichprobe bestand zu 45% aus Personen, die unter der Armutsgrenze leben. Der Rest folgte einer Zufallsauswahl der Bevölkerung.Festgestellt wurde, dass Armut und Geschlecht den größten Einfluss auf chronischen Stress haben. Einkommensarme Frauen sind davon am stärksten betroffen. Die gute Performance Armutsbetroffener bei den Positivstrategien wird durch die schlechte bei den Negativstrategien mehr als konterkariert. Menschen unter der Armutsgrenze können eine Reihe von positiver Strategien zur Stressverarbeitung mobilisieren wie Situations- und Reaktionskontrolle oder die Suche nach Unterstützung. Die fehlende Selbstwirksamkeit und Kompetenzerwartung samt hoher Resignation führen aber zu starkem Ressourcenverlust. Der Kohärenzsinn ist deutlich niedriger als in der Normalbevölkerung. Weiters treten bei Armutsbetroffenen „chronisch“ Gratifikationskrisen auf. Mangel an Anerkennung und erfolgloses Bemühen zusammen mit der signifikanten Tendenz, sich sozial zurückzuziehen, lassen weiters auf hohe Scham schließen.Zusammenfassend konnte festgestellt werden, dass die drei Transaktionsvariablen „Kohärenzsinn“, „Mangel an Anerkennung“ und „Unfreiwilliges Alleinsein“ eine hohe Bedeutung für die Stressverarbeitung und die Gesundheitsfolgen Armutsbetroffener aufweisen

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