In dieser Arbeit wurden einhundert Vögel mit der Verdachtsdiagnose Neuropathische
Magendilatation untersucht. Es handelt sich um Papageienvögel, die entweder klinisch,
vorberichtlich oder pathologisch-anatomisch Anzeichen einer NPMD zeigten. Bei
insgesamt 73 % der Vögel wurde die Erkrankung in Form einer Neuritis nonpurulenta
im Bereich des Magen-Darm-Trakts, des Herzens, der adrenalen Ganglien oder des
Gehirns histologisch bestätigt.
Klinisch zeigten 56,2 % der an NPMD erkrankten Tiere NPMD typische Symptome. In
der Mehrzahl handelte es sich bei den erkrankten Vögeln um Bestandstiere (64,4 %).
Dabei waren, bis auf Nestlinge alle Altersgruppen vertreten, mit einem deutlichen Anteil
von Jungtieren bis zu einem Jahr (15,1 %). Die Auswertung der Daten hinsichtlich der
erkrankten Vogelgattungen ergab, dass in der untersuchten Klientel besonders
Graupapageien (41,1 %) und Aras (30,1 %) vertreten waren. Amazonen, welche
ebenfalls sehr häufig als Heimtiere gehalten werden, wurden dagegen deutlich seltener
(4,1 %) untersucht. Eine saisonale Häufung von Erkrankungen zeichnete sich nicht ab.
Bei der pathologisch-anatomischen Untersuchung zeigten nahezu alle Tiere (87,7 %)
einen starken Grad der Auszehrung. In 75,3 % der Fälle war eine
Drüsenmagendilatation vorhanden und in 37 % eine Atrophie der Magenwand des
Muskelmagens.
Die wichtigsten histologischen Ergebnisse bei diesen Tieren waren Veränderungen im
Sinne einer Neuritis nonpurulenta. Im Bereich des Magen-Darm-Trakts trat diese in
83,6 % aller an NPMD erkrankten Papageien auf. Besonders häufig wies der
Muskelmagen (68,6 %) eine Neuritis auf, während im Vergleich dazu der Drüsenmagen
(59,6 %) seltener betroffen war. Noch seltener wurden derartige Veränderungen in
Kropf (28,0 %) und Dünndarm (12,5 %) gefunden. Darüber hinaus traten
Veränderungen im Sinne einer Neuritis auf, die das Gehirn (41,1 %) und das Herz
(43,1 %) betrafen. Beeindruckend war, dass jedes Gehirn histologische Veränderungen
zeigte, wobei es sich in der Hauptsache um degenerative Veränderungen (96,4 %)
handelte. Degenerative Veränderungen (Plexus-brachialis-Bereich 66,7 %,
Thorakalbereich 83,3 %, Synsakralbereich 73,3 %) wurden ebenfalls häufig im
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Rückenmark gefunden, jedoch keine Entzündungszellen. Eine Neuritis zeigten dagegen
in 36,4 % der Fälle die adrenalen Ganglien. Darüber hinaus ergab die Untersuchung
der Nebennieren selbst eine Degeneration der Markzellen (52,3 %), sowie Infiltration
mit nichteitrigen Entzündungszellen (81,8 %). Weitere degenerative Veränderungen
fanden sich in den Parenchymen von Leber (73,3 %), Herz (43,1 %) und Nieren, die
sich dort in Form einer Tubulonephrose (85,7 %) und Glomerulopathie (49,2 %)
äußerten.
Bei 27 % der Patienten, die klinisch bzw. pathologisch-anatomisch Merkmale der
NPMD aufwiesen, konnte histologisch keine Polyneuritis als Zeichen einer NPMD
diagnostiziert werden. Tiere dieser Gruppe wiesen allerdings Organveränderungen auf,
die mit denen der NPMD-Vögel zum Teil vergleichbar waren. In den Organen des
Magen-Darm-Trakts konnten sehr häufig Neurodegenerationen (Kropf 66,7 %,
Muskelmagen 72 %) gefunden werden, sowie seltener nichteitrige Entzündungszellen
(Drüsenmagen 31,3 %, Muskelmagen 28 %), die außerhalb neuronalen Gewebes
gelegen waren. Wie auch bei den bestätigten NPMD-Fällen, waren im Vergleich zu den
Drüsenmägen (50 %) besonders die Muskelmägen (72 %) histologisch in
Mitleidenschaft gezogen worden. Sämtliche Nebennieren wiesen histologische
Veränderungen auf, davon mehr als drei Viertel (76,9 %) Markzelldegeneration. Zu
100 % verändert waren die Gehirne, welche durchweg degenerative Veränderungen
zeigten und hier zudem sehr häufig Gliazellproliferation und Neuronophagie (85 %)
nachgewiesen werden konnte. Diese mit den NPMD-Vögeln vergleichbaren
degenerativen Veränderungen lassen vermuten, dass es auch bei diesen Vögeln
infolge von Neurodegeneration zur Drüsenmagenerweiterung kam. Somit kann es sich
auch bei diesen unbestätigten Fällen um an NPMD erkrankte Tiere handeln, welche
jedoch auf Grund des variablen Krankheitsbildes und des begrenzten Probenmaterials
unentdeckt blieben.
Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse der Arbeit, dass für eine Diagnosefindung nicht
nur der Magen-Darm-Trakt histologisch untersucht werden sollte, sondern dass auch
Herz, Nebennieren und Gehirn mit ihren neuronalen Anteilen wichtige Hinweise auf das
Vorliegen einer NPMD bieten. Mittels einer Kropfbiopsie kann im Falle eines positiven
Ergebnisses eine Diagnose gestellt werden. Jedoch scheint diese auf Grund der zu
erwartenden zwei Drittel negativen Ergebnisse nur im Einzelfall empfehlenswert.
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Zudem belegen diese Untersuchungen an dem bisher größten untersuchten Kollektiv,
dass neben dem Vorliegen der charakteristischen Polyneuritis, generalisierte
degenerative und entzündliche Veränderungen der großen Parenchyme auftreten. Dies
betrifft insbesondere die Nieren, Leber und Herz, aber auch die Nebennieren. Diese
Befunde deuten darauf, dass in Folge der Anschoppung Folgeschäden entstehen und
eine nachfolgende Entgleisung des Stoffwechsels zu einem Multiorganversagen führt.
Eine klinische Behandlung von Patienten mit der klinischen Verdachtsdiagnose NPMD
sollte daher auf eine symptomatische Stützung des Patienten ausgerichtet sein. Sie ist
als lebensverlängernd anzusehen. Eine Heilung der Erkrankung ist damit nicht zu
erzielen, so dass die Prognose einer NPMD als infaust zu stellen ist