Um die ökologischen Defizite in der Schweizer Landwirtschaft zu beheben, fordert die Umweltorganisation Pro Natura einen Umbau des bestehenden Direktzahlungssystems. Die bisher allgemeinen Direktzahlungsmassnahmen sollten gemäss ihrer Forderung in zielorientierte Massnahmen umgewandelt oder gestrichen werden. Pro Natura hat hierzu einen beispielhaften Vorschlag ausgearbeitet, der eine Reduktion der allgemeinen Flächenbeiträge, eine Erhöhung der Erschwernisbeiträge, eine Abschaffung der Tierhaltungsbeiträge, eine Erhöhung der Prämien für spezifische ökologische und ethologische Leistungen, eine erweiterte Beitragsberechtigung für Anbaubeiträge und einen Betriebsbeitrag für Ressourcenschutzmassnahmen vorsieht.
In der vorliegenden Untersuchung werden die Auswirkungen des von Pro Natura vorgeschlagenen Direktzahlungssystems auf die Schweizer Landwirtschaft mit Hilfe von modellbasierten Analysen abgeschätzt. Die Referenz der Modellanalyse ist ein Baseline-Szenario. Es beruht auf der Annahme, dass sich die gegenwärtigen agrarpolitischen Rahmenbedingungen bis zum Jahr 2019 (Zieljahr der Analyse) nicht ändern werden. Ein zweites Szenario beschreibt die Situation im Jahr 2019 mit einem zielorientierten Direktzahlungssystem.
Gemäss den Modellergebnissen führt das unterstellte alternative Direktzahlungssystem im Vergleich zur Baseline zu einer Ausdehnung der ökologischen Ausgleichsflächen, einer Reduktion der Stickstoff- und Phosphorbelastung und einer Verminderung des Tierbesatzes. Durch den Wegfall der Tierhaltungs-beiträge reduzieren sich die Rindviehbestände sowie die Grünlandflächen. Im Ackerbau dehnt sich die Getreideproduktion aus, während der Anbau von Hackfrüchten, Ölsaaten und Mais zurückgeht. In Folge der Produktionsanpassungen kommt es zu Einbussen bei den Rohleistungen; andererseits sinken die Aufwendungen für Vorleistungen und die Faktorkosten. Das durchschnittliche Betriebseinkommen geht etwas zurück. Da weniger Arbeitskräfte in der Landwirtschaft beschäftigt sind, nimmt das Betriebseinkommen je AK und der Gewinn je Familien-AK im Durchschnitt leicht zu. Die Abschaffung der TEP- und RGVE-Beiträge wird in der Modellanalyse nicht vollständig durch andere Beiträge kompensiert, weshalb sich die Ausgaben des Bundes für Direktzahlungen gegenüber der Baseline um ca. 300 Mio. Franken reduzieren. Dadurch könnten weitere Massnahmen zur Förderung der Artenvielfalt finanziert werden.
Die Ergebnisse der Untersuchung verdeutlichen das grundsätzliche Potenzial eines zielorientierten Direktzahlungssystems. Durch die Analyse wird allerdings auch deutlich, dass ein zielorientiertes Direktzahlungssystem nicht alle bestehenden Probleme in der Landwirtschaft bzw. Zielkonflikte in der Agrarpolitik lösen kann