Wissenschaftliche Einrichtungen. GIGA - German Institute of Global and Area Studies
Doi
Abstract
South America’s security agenda demands the simultaneous management of domestic crises,
interstate conflicts and transnational threats. Though located at different systemic levels
(national, international, transnational), the three conflict clusters are often interrelated
and tend to overlap in the region’s border areas. The region’s policy makers, aware of this
highly complex agenda and in spite of their striking differences, have tended to build regional
structures of authority that coordinate, manage and rule collective responses to
these threats. In addition, the unilateral, bilateral and multilateral structures and the region’s
capabilities to solve conflicts have become more important than the respective inter‐
American bodies over the past decade. Given this shift in the management of regional security
affairs, we ask if a multilevel approach on the part of an overarching security architecture
is more effective than separate governance schemes regarding each specific security
threat. Since neither the traditional models of power balancing and alliance building
nor the security-community approach can sufficiently explain the region’s security dynamics,
we assume and provide evidence that different systems of security governance overlap
and coexist in South America.Sicherheits-Governance in Südamerika: Auf dem Weg zu einer Mehrebenenarchitektur
Südamerikas sicherheitspolitische Agenda erfordert die zeitgleiche Bearbeitung innenpolitischer
Krisen, zwischenstaatlicher Konflikte und transnationaler Bedrohungen. Diese drei
Konfliktcluster sind – obschon analytisch auf verschiedenen systemischen Niveaus (national,
international, transnational) zu verorten – oft eng miteinander verwoben und neigen
insbesondere in den Grenzregionen dazu, sich wechselseitig zu überlappen. Die politischen
Entscheidungsträger in der Region sind sich der komplexen Agenda bewusst und
haben, unbeschadet ihrer offenkundigen Differenzen, damit begonnen, den Bedrohungen
durch die Schaffung regionaler Autoritätsstrukturen auf uni- und multilateraler Ebene
gemeinsam zu begegnen. Hinzu kommt die Beobachtung, dass die Fähigkeiten der Region
zur eigenständigen Konfliktregulierung gegenüber den entsprechenden interamerikanischen
Organen in der letzten Dekade insgesamt an Gewicht gewonnen haben. Das vorliegende
Arbeitspapier fragt angesichts dieser neuartigen Entwicklungen und Verschiebungen
danach, ob in Südamerika ein Mehrebenenansatz auf der Grundlage einer bedrohungsübergreifenden
Sicherheitsarchitektur effektivere Ergebnisse zu zeitigen vermag als
einzelne, voneinander separierte Governance-Schemata, die jeweils auf ein spezifisches
Bedrohungscluster abstellen. Da weder traditionelle Modelle (Machtbalance, Allianzenbildung)
noch konstruktivistische Konzepte (Sicherheitsgemeinschaft) die sicherheitspolitische
Dynamik in der Region hinreichend zu erklären vermögen, gründet das Papier auf
der im folgenden empirisch unterfütterten Prämisse, wonach in der Region unterschiedliche,
sich überschneidende Sicherheits-Governance-Schemata koexistieren