thesis text

Vom Hof= und Adreß=Calender zum Datensatz: Gewinnung, Modellierung und Exploration prosopographisch-organisatorischer Daten frühneuzeitlicher serieller Quellen

Abstract

Für quantitative Perspektiven in den Geschichtswissenschaften müssen in der Regel Datensätze aus historischen Quellen generiert werden. Die Arbeit widmet sich diesem Transformationsprozess und entwickelt, begleitet und diskutiert einen Digitalisierungsworkflow bis hin zu Möglichkeiten der Datennachnutzung anhand der Jahrgänge 1768–1779 des Amtskalenders für das Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg. Das Quellenpotential solcher Amtskalender und -handbücher ist unbestritten, fand bisher aber nur marginal Aufmerksamkeit in der Forschung. Im Zentrum steht derweil die Frage, wie Amtskalender als analoge, typographische Datenbanken (Volker Bauer) in digitale Datentriple einer Graphdatenbank (Wikibase-Instanz FactGrid) konvertiert werden können. Gleichzeitig macht sich die Arbeit für die Diskussion und perspektivische Weiterverwendung der Daten zunutze, auf bereits bestehende Datensätze in FactGrid zurückzugreifen, um Vor- aber auch Nachteile der Vernetzung der Daten herauszuarbeiten. Dafür werden zunächst terminologische Grundlagen geschaffen, ehe die Geschichte des als Untersuchungsgegenstand fungierenden Gothaer Amtskalenders –nicht mit dem Almanac de Gotha zu verwechseln – rekonstruiert wird. Kern der Arbeit ist die dezidierte und detaillierte Modellierung der historischen Ausgangsdaten für das graphbasierte Format. Einerseits in theoretischer Perspektive, andererseits und anschließend epistemologisch in praktischer Perspektive, die sich auf die verwendeten Werkzeuge (Tabellenkalkulationsprogramme, Python, OpenRefine) fokussiert. Die tatsächliche Digitalisierung der Ausgangsdaten wurde durch einen citizen scientist realisiert. Auch auf dieses Vorgehen wird näher eingegangen. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass ein solcher Transformationsprozess durchaus umsetzbar ist und großes Potential besitzt. Herauszuheben ist dabei der kollaborative und projekthafte Charakter der Arbeit mit FactGrid, der es ermöglicht in kürzerer Zeit zu stichhaltigen und umfassenden (Zwischen-)Ergebnissen zu kommen. Insgesamt wurden 3.216 Datensätze mit über 21.000 Einzelaussagen angelegt. Liegen die Daten einmal digital vor, können sie weiter angereichert oder – wie exemplarisch in der Arbeit mit eine data science notebook (Deepnote) – bereits proto-narrativ und explorativ ausgespielt und analysiert werden. Insbesondere in Verbindung mit Normdaten können auch projektexterne Daten hinzugezogen werden. Allgemein können Hof- und fürststaatliche Behörden sowie deren Personal hierarchisch verortet werden; die Rangierung in den Kalendern entspricht aber nicht immer den historischen Umständen. Potential zeigen die Kalenderdaten auch hinsichtlich subalterner Gruppen, die so nun eruiert, wegen der spärlichen Quellenlage aber selten in größeren Kontexten verortet werden können

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