Theorie: Schlafbezogene Metakognitionen sind Überzeugungen über eigene Gedanken und kognitive Schemata, die sich mit schlafbezogenen Inhalten befassen. Sie werden mit Insomnie und schlechter Schlafqualität in Verbindung gebracht. In der Theorie finden sich Hinweise für Assoziationen mit Depressionen und Rumination. Aus der bestehenden Literatur wurde nach systematischer Literaturrecherche ein exploratives Strukturgleichungsmodell zu den Zusammenhängen von schlafbezogenen Metakognitionen, Insomnie, Depressionen, Schlafqualität und Rumination abgeleitet.
Methode: Die Studie arbeitet fragebogenbasiert und erhebt die Konstrukte mittels MCQ-I, ISI-G, BDI-II, PSQI und RSQ-D. Erhoben wurde eine klinische Stichprobe aus einem schlafmedizinischen Zentrum. Die Daten wurden deskriptiv und faktoranalytisch ausgewertet. Mittels Maximum-Likelihood-Estimation wurde ein theoriebasierte Strukturgleichungsmodell überprüft und anhand von Fit-Indizes hinsichtlich des globalen Modellfits beurteilt. Aus den vorliegenden Daten wurde ein datenbasiertes Strukturgleichungsmodell erstellt und in gleicher Vorgehensweise verarbeitet.
Ergebnisse: Die Stichprobe umfasste n = 415 Personen. Das Alter betrug durchschnittlich 56,3 Jahre alt (SD: 14,4) 59,9% der Stichprobe waren männlich. Die Testwerte der Skalen korrelierten nur in geringem Maß mit den demographischen Variablen. Das theoriebasierte Modell weist einen akzeptablen Fit auf. Für die Konstrukte schlafbezogene Metakognitionen, Insomnie, Depressionen, Schlafqualität und Rumination wurden Korrelationskoeffizienten zwischen r = .44 und .97 erreicht. Das datenbasierte Modell trug nicht zu einem verbesserten Modellfit bei.
Diskussion: Die Ergebnisse des Strukturgleichungsmodells bestätigen Größe und Richtung bisheriger Ergebnisse. Das Modell bietet die Grundlage für die Weiterentwicklung und Ergänzung anderer Modelle, wie dem S-REF-Modell (Wells & Matthews, 1996) oder dem metakognitiven Modell der Insomnie (Ong et al., 2012), und damit für ein besseres Verständnis der Insomnie. Die Arbeit zeigt den globalen Zusammenhang von schlafbezogenen Metakognitionen, Insomnie, Depression, Schlafqualität und Rumination. Sie unterstützt damit eine tageszeitübergreifende Betrachtung von psychischen Störungen