research

Arachnes Netzwerke – Autorschaftsmetamorphosen bei Ovid, Malouf, Ransmayr

Abstract

Untersucht werden drei nicht nur thematisch, sondern auch über einen Entwurf starker Autorschaft verbundene Narrationen: Ovids Metamorphosen, David Maloufs An Imaginary Life und Christoph Ransmayrs Die letzte Welt. Dabei gilt das Interesse einer poetologischen Formation, die sich buchstäblich neben diesem Modell starker Autorschaft, das vom Epilog der Metamorphosen seinen Ausgang nimmt, entfaltet. Oder sollte man sagen: ‚sich entspinnt’? Im Zentrum dieser Formation (wenn diese Formulierung angesichts eines an der Peripherie angesiedelten Phänomens nicht paradox ist) steht nämlich die Weberin Arachne, die im ovidischen Text in eine Spinne verwandelt wird, weil sie eine so exzellente Weberin ist und Pallas die Rivalin neben sich nicht dulden kann. Eben durch diese Metamorphose aber wird Arachne zugleich zur Reflexionsfigur einer Textfabrikation, deren Texterin nicht Autorin jenseits ihres Textes ist, sondern metonymisch eins wird mit ihrem Gewebe, mit dem sie über den aus dem eigenen Leib entlassenen Faden verbunden bleibt. Dieser von Arachne produzierte Faden, das daraus gefertigte Gespinst führt, wendet man den Blick von der den Text jeweils zentrierenden Autorinstanz ‚Ovid’ ab, in Maloufs „spiders’ tongue“ ebenso auf ein die Narration organisierendes Netz wie in der immer dichter werdenden ‚Verwebung’ Cottas in der Letzten Welt.The paper analyses three narrations connected not only by theme, but also by a concept of strong Ovid’s Metamorphoses, David Malouf’s An Imaginary Life, and Christoph Ransmayr’s Die letzte Welt. It is interested in a poetological formation that is developping (or should one say: ‚is spinning out’?) literally beside this model of strong authorship originating from the epilogue of the Metamorphoses. In the centre of this formation (if this phrase is not a paradox in view of a phenomenon belonging to the periphery) is the weaver Arachne, who in Ovid’s text is transformed into a spider, because she is such an excellent weaver – a rival not tolerable for Pallas beside her. By this very metamorphosis, however, Arachne turns into a figure reflecting the fabrication of a text of which she is not the author beyond, but metonymically becomes part of her texture remaining connected with it by the thread released from her body. This thread produced by Arachne, the interlacement made of it leads the reader, if averting from the author’s instance in the centre of each of the texts, to a web organizing narration in Malouf’s „spiders’ tongue“ as well as in Cotta’s becoming more and more interwoven in Die letzte Welt.Untersucht werden drei nicht nur thematisch, sondern auch über einen Entwurf starker Autorschaft verbundene Narrationen: Ovids Metamorphosen, David Maloufs An Imaginary Life und Christoph Ransmayrs Die letzte Welt. Dabei gilt das Interesse einer poetologischen Formation, die sich buchstäblich neben diesem Modell starker Autorschaft, das vom Epilog der Metamorphosen seinen Ausgang nimmt, entfaltet. Oder sollte man sagen: ‚sich entspinnt’? Im Zentrum dieser Formation (wenn diese Formulierung angesichts eines an der Peripherie angesiedelten Phänomens nicht paradox ist) steht nämlich die Weberin Arachne, die im ovidischen Text in eine Spinne verwandelt wird, weil sie eine so exzellente Weberin ist und Pallas die Rivalin neben sich nicht dulden kann. Eben durch diese Metamorphose aber wird Arachne zugleich zur Reflexionsfigur einer Textfabrikation, deren Texterin nicht Autorin jenseits ihres Textes ist, sondern metonymisch eins wird mit ihrem Gewebe, mit dem sie über den aus dem eigenen Leib entlassenen Faden verbunden bleibt. Dieser von Arachne produzierte Faden, das daraus gefertigte Gespinst führt, wendet man den Blick von der den Text jeweils zentrierenden Autorinstanz ‚Ovid’ ab, in Maloufs „spiders’ tongue“ ebenso auf ein die Narration organisierendes Netz wie in der immer dichter werdenden ‚Verwebung’ Cottas in der Letzten Welt

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