thesis

Jugendsprache in Japan. Eine linguistische Untersuchung gesprochener Sprache 14- bis 25-Jähriger anhand des Fernsehprogramms Ichigo ichie: Kimi ni kikitai!

Abstract

Die vorliegende Studie untersucht japanische Jugendsprache anhand eines Korpus basierend auf der Fernsehsendung Ichigo ichie. Die Studie unternimmt eine Funktionsanalyse derjenigen Spezifika, die sich innerhalb dieses Korpus zeigen. Schwerpunkt der Analyse stellen die sog. Vagheitsausdrücke (bokashi hyôgen, aimai hyôgen) dar, eine Gruppe verschiedener Merkmale und Muster, die als vage oder abschwächend beschrieben worden sind und verstärkt seit den 1990er-Jahren auftreten. Die Verwendung dieser Elemente ist seither auch mit Passivität und Kommunikationsunfähigkeit der japanischen Jugend in Verbindung gebracht worden. Die Analyse der Studie offenbart für diese Vagheitsausdrücke ein weites Funktionsspektrum: Darunter sind solche Verwendungsweisen, die nicht als abschwächend zu verstehen, sondern auf Diskursebene wirksam sind und z.B. zur Themenmarkierung oder zur Anzeige von Opposition eingesetzt werden. Es lassen sich für einige Merkmale auch sehr expressive Verwendungsweisen aufzeigen, die der Unterhaltung und der kreativen Gestaltung des Gesprächs dienen. Daneben zeigen Merkmale und Muster tatsächlich Gebrauchsweisen, die nicht exakt sind oder als vage oder abschwächend bezeichnet werden können. Sie werden im Gespräch verwendet, um Beispiele anzuführen, Ausdrücke semantisch zu flexibilisieren oder bewirken auf der illokutionären Ebene eine Abschwächung, sodass sie auch als Mittel linguistischer Höflichkeit eingesetzt werden können. Die Studie orientiert sich an dem Modell von Richard Watts, in dem solche Elemente als Ausdruck politischen Verhaltens verstanden werden. Sie dienen dazu, im Gespräch Beziehungsarbeit zu üben und die Balance zwischen den Interaktanten zu wahren. Die Funktionsanalyse der Vagheitsausdrücke zeigt dabei deutliche Parallelen zu ähnlichen Elementen im Englischen auf, die bei Watts beschrieben sind, diese haben relativierende, Alternativen eröffnende Funktionen (englisch kind of; japanisch to ka), verringern den Grad, mit dem sich ein Sprecher zu einer Aussage bekennt (I think; tte kanji, mitai na) u.Ä. Die Studie zeigt damit das Vorhandensein verschiedener sprachlicher Mitigationsstrategien abseits des traditionellen Honorativsystems auf und bietet neue Ansätze für eine weitere Erforschung linguistischer Höflichkeit des Japanischen. Weiterhin werden durch die Analyse der Vagheitsausdrücke deutliche Parallelen zu pragmatischen Markern anderer (Jugend-)Sprachen offengelegt. Die Studie kann daher auch für weitere zukünftige Forschung in diesen Feldern dienlich sein

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