Lagebedingte Schädeldeformitäten nehmen weltweit zu. Trotz Vorliegen evidenzbasierter Leitlinien bleibt der Einsatz orthopädischer Kopforthesen umstritten aufgrund einer diskrepanten Studienlage. Mithilfe einer retrospektiven Studie wurden die Therapiedaten der Klink für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Jena untersucht und ausgewertet. Die Hypothese lautete, dass die Kopforthesentherapie zu einer statistisch signifikanten Änderung der kephalometrischen Parameter Cranial Vault Asymmetry (CVA), Cranial Vault Asymmetry Index (CVAI) und Cephalic Index (CI) führt. Die Parameter wurden mithilfe eines dreidimensionalen digitalen Kameraverfahrens gemessen. Weitere Aspekte, die untersucht wurden, waren der Einfluss diagnostischer Untergruppen, des Schweregrads und des Zeitpunkts des Behandlungsbeginns auf das Outcome. Mithilfe eines Fragebogens wurden neben dem subjektiven Outcome die Compliance, unerwünschte Nebenwirkungen, alternativ durchgeführte Maßnahmen sowie die Beurteilung der Lebensqualität erfasst. Es wurden 25 Patient:innen (60 % männlich, 40 % weiblich) eingeschlossen, die im Zeitraum von 2016 bis 2023 mittels Kopforthesentherapie aufgrund einer lagebedingten Schädeldeformität behandelt wurden. Durchschnittlich betrugen das Alter bei Therapiebeginn 6,62 Monate und die Therapiedauer 5,82 Monate. In der Studienpopulation nahm die CVA um 7,9 mm, der CVAI um 5,5 %P und der CI um 2,4 %P ab. Die Unterschiede der prä- und posttherapeutischen Parameter CVA, CVAI und CI waren statistisch hochsignifikant. Die Compliance war hoch (72 %). Nebenwirkungen waren häufig (n = 60), aber mild. Die Lebensqualität der Kinder wurde in 16 % der Fälle als vermindert eingeschätzt. Eine Milderung der Deformität durch die Therapie wurde durch alle Eltern angegeben und 76 % bewerteten die Kopfform ihres Kindes anschließend als normal. Schlussfolgernd stellt die Kopforthesentherapie eine sinnvolle Therapieoption bei Säuglingen mit lagebedingter Schädeldeformität dar