Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass hohe Umgebungsdrücke doppelwandige Prothesen
aus Kryolith-Glas zum Brechen bringen können.
Entscheidend für die Haltbarkeit scheint nicht, wie vorab vermutet, der Abnutzungsgrad der
Prothesen zu sein, sondern der Druck, dem die Prothesen ausgesetzt sind. Die bereits ein
Jahr getragenen Prothesen zerbrachen in dieser Studie nicht häufiger, als die neu
hergestellten Glasaugen. Ob, mit dem Auge nicht sichtbare, Oberflächenveränderungen die
Stabilität der Prothesen beeinflussen ist unklar. Grundsätzlich wird sicherheitshalber
empfohlen die Prothesen jährlich zu wechseln. Je nach individuellem Gebrauch und Pflege
kann eine Prothese nach diesem Zeitraum selbstverständlich mehr oder weniger
Gebrauchsspuren aufweisen. Die Empfehlung die Prothese nach einem Jahr zu tauschen
dient als Richtwert, um ein sicheres Tragen zu gewährleisten. Ebenso sollten beim Tauchen
selbst sicherheitshalber keine doppelwandigen Glasprothesen getragen werden und
beispielsweise auf widerstandsfähige Prothesen aus PMMA zurückgegriffen werden. Zwar
wird in der Literatur bisher selten über Defekte von doppelwandigen Glasprothesen beim
Tauchen berichtet, allerdings gibt es einige Fallberichte über Vorfälle dieser Art und daher
sollten Prothesenträger über diese Gefahr aufgeklärt werden.
Augenprothesen werden individuell und manuell gefertigt, daher unterscheiden sich die
Volumina der verschiedenen Prothesen. Somit kann keine allgemeine Aussage über die
Druckverhältnisse innerhalb einer doppelwandigen Prothese getroffen werden.
Zudem hat diese Studie gezeigt, dass es nicht möglich ist, vorherzusagen, bei welchem Druck
eine Prothese einen Defekt erleidet. Einige Prothesen explodieren schneller als andere. Ein
genauer Druck- bzw. Tiefenwert, bei dem 100 Prozent der Prothesen platzen, konnte nicht
herausgestellt werden. Vielmehr ist ein Druckbereich als kritischer Bereich zu nennen. In
dieser Studie lag dieser zwischen 3,7 und 32,3 bar. Das entspricht Tauchtiefen von etwa 38
bis 329 Metern. Es ist fraglich, wie realistisch es ist, dass beim Hobbytauchen diese Tiefen
erreicht werden.
Die Ergebnisse dieser Studie haben eine klinische Relevanz, da es bisher keine allgemein
gültigen Empfehlungen bezüglich des Tragens von doppelwandigen Kryolith-Glasprothesen
bei hohen Umgebungsdrücken gibt. Um die Patientengruppe nach Verlust des Auges sicher
mit einer Glasprothese versorgen zu können, sind Erkenntnisse hinsichtlich etwaiger Gefahren
beim Tragen der Prothesen unabdingbar. Zum Patientenschutz sollten daher Empfehlungen
hinsichtlich der Haltbarkeit von doppelwandigen Glasprothesen, bei hydrostatischen
Veränderungen, von Augenärzten und Okularisten ausgesprochen werden