Großpolen wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer Vorrats- kammer des Deutschen Reiches und unterschied sich von den übrigen polnischen Regionen (ähnlich wie Pommern) sowohl in wirtschaftlicher als auch in sozialer Hinsicht. In der Wojewodschaft Poznań, in der 1921 laut Volkszählung 1.967.865 Menschen lebten, wohnten 1.296.279 Personen (65,9%) auf dem Lande und nur 671.586 (34,1%) in der Stadt. Der dominierende Wirtschaftszweig stellte die Landwirtschaft dar, die entschieden höher entwickelt war als in den anderen Regionen und die Mehrheit der hiesigen Bevölkerung ernährte. Die wichtigste Rolle spielten dabei Güter, die ca. 46% aller Ackerböden ausmachten, sowie große Bauernhöfe (über 20 ha), die 43% des gesamten bäuerlichen Besitzes darstellten. Zwergbauernhöfe gab es hier nur ganz wenige. Der Mangel an Boden trat nicht so scharf in Erscheinung wie beispielsweise in Galizien, es gab keine revolutionären Unruhen. Angesichts einer geringeren Anzahl von landlosen Bauern und Klein- bauern als anderswo fanden radikale Agrarprogramme kaum eine breitere Unter- stützung