Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte einen enormen Durchbruch in Forschungen, deren
Ziel es war, die linguistischen Regelsysteme, deren Erwerb, Störungen und Ausfall und die
neuronalen Abläufe von Sprachperzeption und -produktion, zu erfassen. Die bemerkenswerten
Fortschritte, die in diesen Bereichen erzielt wurden, haben gezeigt, dass die Kooperation der
Fachbereiche für Neurologie und Sprachwissenschaft von großer Notwendigkeit ist.
Neuere Forschungsarbeiten der letzten Jahrzehnte haben sich auf dem Gebiet von Sprache und
Gehirn darauf spezialisiert, Störungen von linguistischen Komponenten in der Aphasie zu
erfassen, um eine Struktur der Sprache im Gehirn erstellen zu können. Zum derzeitigen Zeitpunkt
steht weitgehend fest, dass ein konkretes Aggregat von Neuronen, also eine funktionale Struktur
des neuronalen Systems im menschlichen Gehirn vorhanden ist, die den
Sprachperzeptions, -verarbeitungs und -produktionsmechanismus verwirklicht. Der Begriff
‘mentales Lexikon’, der sowohl diesen Mechanismus umschreibt, als auch ganz allgemein als der
Speicher im Langzeitgedächtnis für die mentale Repräsentation der Wörter einer Sprache
definiert werden kann, rückt jetzt immer mehr ins Zentrum sprachwissenschaftlicher und
neuropsychologischer Forschungen.
Die Organisation des trilingualen Lexikons ist der zentrale Punkt unserer Forschung. Der
Schwerpunkt aber liegt aber auf folgender Frage: ”Wie ist es möglich, dass unterschiedliche
Sprachen mit ihren eigenen Lexemen und Regelsystemen gleichzeitig abgerufen werden
können?’ Könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass unterschiedliche Sprachen miteinander
vernetzt im Gehirn abgespeichert werden und nicht voneinander getrennt?’
An Fehlern, die bei mündlichen Äußerungen von trilingualen Studenten aufgetreten sind,
versuchen wir darzustellen, wie eng vernetzt Sprachen gespeichert sind.
In dieser Arbeit werden wir zuerst einige Modelle beschreiben, die die Funktionsweise der
Mechanismen des mentalen Lexikons oder des Sprachproduktionsprozesses zu erfassen suchen.
Anschließend werden wir von unserer Studie an der Middle East Technical University in Ankara
(Türkei) berichten und uns im letzten Teil auf die dargestellten Modelle beziehend
Schlussfolgerungen ziehen