Die Verzierung der antiken Hausurnen

Abstract

.Dieser Artikel will eine Darstellung des bildnerischen Schmuckes auf den Hausurnen Sloweniens geben. Unter dem europäischen kulturgeschichtlichen Ma[1]terial aus den archäologischen Perioden nehmen die Hausurnen (Abb. 1) aus dem Gebiet des antiken Neviodunum einen besonderen Platz ein. Sie bedeuten nicht nur eine Besonderheit in der Hinterlassenschaft des ganzen Imperiums, sondern stellen den einzigen häufigeren bildnerischen Ausdruck der Antike in diesen Ge[1]bieten vor. Die Wurzeln dieser Überlieferung haben wir in den älteren urgeschicht[1]liclien Kulturen zu suchen. Deshalb ist es verständlich, dass uns gerade die Haus[1]urnen (Fundliste: Beilage 1, mit kurzer übersieht im Text) auch zum Verständnis der urgeschiclitlichen Phasen auf slowenischem Boden helfen und es uns so er[1]möglichen. die von der Antike abgerückte Hinterlassenschaft zu beleuchten. Mit der urgeschiclitlichen Periode (Anm. 5) und den späteren slowenischen Altertümern (Anni. 6) verbindet uns vor allem die Darstellung von Vogelprotomen auf Gefässen mit kultischem oder diesem engverwandten Charakter. Nur auf der Urne aus Novo mesto (Abb. 2, T. I, 1) ist unter dem Halm noch eine Menschenmaske abge[1]bildet. Obwohl das Haupt zwar auf eine primitive und schematische Weise wiederge[1]geben ist, so ist es doch sicher die Äusserung einer gewollt individuellen Gestaltung, wodurch es an die schon bekannten keltischen Denkmäler anknüpft und so das ganze derartige Material mit den Erben des Latène-Kulturkreises in Dolenjsko und im slowenischen Posavje verbindet. Vom typologischen und künstlerischen Blickpunkt betrachtet, stellen die frühe[1]sten Beispiele der plastisch modellierten Hähne auf dem Oberteil der Urnen natura[1]listisch-realistische Schöpfungen dar (T. I, 4, 5; T. II, 1), bei denen jedoch wegen des ganz symbolischen Vorstellungswertes ein Übergang zum Idealisieren erfolgt (T. II, 2—5) und schliesslich zum Schematismus führt (Abb. 6, 2; T. II. 7). Der Realisierungsinhalt war also für den Besteller nicht an eine naturgetreue Gestal[1]tung gebunden, sondern bestand vielmehr in der Vorstellung des Hahnes bzw. des Vogels als eines Symbols mit Kultcharakter in den Vorstellungen der damaligen Einwohner im Gebiet von Neviodunum. Dadurch nähert er sich im allgemeinen Rahmen der späteren Entwicklung der christlichen Symbolik an und dem Über[1]gang von Tiefendimensionen zur Flächigkeit, Linearität und einer Entwertung der Plastizität, die sich am deutlichsten im afigurativen Stil der Kunst zur Zeit der Völkerwanderung wiederspiegelt. Zugleich tritt aber diese Tendenz auch bei unseren Urnen in Erscheinung, und zwar in der gemalten Dekoration, die zonal ist und auf die Zone bei der Türöffnung beschränkt ist (T. II, 8). Eine Besonderheit unter den Urnen stellen jedoch zwei Stücke von glasierten Gefässen dar. Mit Hinsicht auf das sehr beschränkte Gebiet, wo Hausurnen vor­kommen (Beilage 1), ist es wenig glaubhaft, dass diese zwei Beispiele in anderen Töpferzentren des Imperiums verfertigt worden wären, sondern sie stammen wahr[1]scheinlich aus einer Töpferei im Bereich des angeführten Gebietes, aller Wahr[1]scheinlichkeit nach wohl aus Drnovo selbst, wofür auch das glasierte Gefäss auf T. II, 7 spricht. Nach der reichen symmetrischen Ornamentik, worin sich Abbil[1]dungen des Vogels, des Menschenhauptes und Kreuze durchflechten, nähert sie sich — sogar auch dem Sinn des Inhalts dieser Verzierung nach — stark an die Hausurnen an. Was die zeitliche Bestimmung beider glasierten Fragmente auf Bild 6 betrifft, sind wir gezwungen, uns an den Rahmen des Rituals des Leichen[1]brandes bei der antiken Bewohnerschaft von Dolenjsko und des Posavje zu halten, das auf Grund des gegenwärtigen Wissens nicht über die ersten Jahrzehnte des dritten Jahrhunderts reicht, was auch die stark schematisierte Darstellung des Hahnes auf Abb. 6, 2 bestätigen würde

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