Hintergrund:
Bereits seit vielen Jahren sind bei der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung Probleme mit der Betreuungsqualität, regionale Unterschiede der Versorgung sowie steigende Kosten bekannt. Mit diesen Themen beschäftigt sich die Choosing Wisely®-Initiative, welche von der American Board of Internal Medicine Foundation 2012 in den USA gegründet wurde und in der Schweiz seit 2014 unter dem Namen „smarter medicine“ fortgeführt wird. Sie verfolgt das Ziel, unnötige, unverhältnismässig kostenintensive oder gar schädliche Medizin zu reduzieren. Dies soll durch die Herausgabe von Listen erreicht werden, welche Empfehlungen zum Verzicht auf diagnostische, therapeutische, prozessorientierte oder andere Massnahmen enthalten. Die Listen sind an Anwender (insbesondere praktizierende Ärzte) und Patienten gerichtet und wurden bis heute mehrheitlich durch Expertengremien erstellt. Ein zentraler Erfolgsfaktor für die Implementierung solcher Empfehlungen ist die Adhärenz der Anwender (praktizierende Ärzte). Diese ist höher, wenn die Anwender von Beginn an in die Erstellung der Listen miteinbezogen werden.
Methodik und Ziele:
Ziel der vorliegenden Studie war es, mit Hilfe einer (aus zwei Runden bestehenden) Online-Umfrage unter den Mitgliedern der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin zu explorieren, welche medizinischen Interventionen als nutzlos, schädlich oder verschwenderisch wahrgenommen werden und daher ihrer Meinung nach zu unterlassen sind. Die abgegebenen Vorschläge wurden einerseits in einem deduktiven Vorgehen bestimmten Themen, Unterthemen und Unter-Unterthemen zugeordnet. Andererseits wurden aus den Vorschlägen mittels induktiver Inhaltsanalyse Empfehlungen generiert, welche Interventionen besser zu unterlassen seien. Das Set der 16 am häufigsten genannten Empfehlungen wurde mit bereits existierenden Choosing Wisely®- und „smarter medicine“-Empfehlungen verglichen.
Resultate:
Die 538 Mitglieder der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin, welche an der ersten Runde der Umfrage teilnahmen, gaben insgesamt 1'074 Empfehlungen ab. 55.5% dieser Empfehlungen betrafen das Thema „Diagnostik“, 29.1% „Therapien“ und 10.9% „Prozesse“ (4.3% das Thema „Anderes“)
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