Regionale Versicherungsrisiken unter dem morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich: Detektion, Ursachen und Reformbedarf der Wettbewerbsbedingungen in der GKV

Abstract

Der Risikostrukturausgleich (RSA) ist der finanzielle Ausgleichsmechanismus zwischen den Krankenkassen. Er beschreibt, wie die Gelder des Gesundheitsfonds, dem Risiko gerecht, zwischen den Krankenkassen zu verteilen sind. Es ist das vordergründige Ziel des RSA die Möglichkeit der Selektion von guten und schlechten Risiken (Risikoselektion) durch die Krankenkassen zu verhindern. Ohne einen RSA sind neben einem Verstoß gegen das Solidaritätsprinzip (BVerfG, Rn. 162 (18.07.2005)) Effizienzverluste durch die Verschiebung des Wettbewerbes zwischen den Krankenkassen von Qualität auf Risikoselektion (z.B. die Attrahierung von jungen und gesunden Personen), zu befürchten. Die These, die in dieser kumulativen Dissertation untersucht wird, ist, dass das Merkmal der regionalen Herkunft der Versicherten geeignet ist, um gute Risiken von schlechten Risiken zu trennen und somit Anreize zur Risikoselektion bietet. Es wird argumentiert, dass die räumliche Autokorrelation von individuellen Deckungsbeiträgen ein geeignetes Maß ist, um Anreize zur regionalen Risikoselektion zu erkennen. Dabei steht das Argument im Vordergrund, dass neben absoluten Deckungsbeitragsunterschieden die Validität der Information „regionale Herkunft“ für Risikoselektion entscheidend ist. Die zweite Fragestellung der Dissertation betrifft die Ursachen der regionalen Risiken für Krankenkassen. Die Identifikation von Ursachen verfolgt dabei das Ziel zu begründen, ob die Versicherungsrisiken, die mit der regionalen Herkunft assoziiert sind, gemäß des Solidaritätsprinzips durch die Gesamtheit der Versichertengemeinschaft zu tragen wären. Drittens wird die geographisch gewichtete Regression auf die Aspekte des Risikostrukturausgleichs angepasst und ein Verfahren beschrieben, wie die Regression auf dem sehr umfangreichen Datensatz des RSA effizient umgesetzt werden kann. Nach einer langen Debatte unter Gesundheitsökonomen wurde für das Ausgleichsjahr 2021 erstmals eine Regionalisierung im RSA vorgenommen. Den Einzelveröffentlichungen dieser Dissertation war es beschieden, am gesundheitsökonomischen Diskurs teilzuhaben und letztlich die Einführung der Regionalisierung im RSA begleitet zu haben.:1 Einleitung 1.1 Solidarität und Wettbewerb in der GKV 1.2 Motivation der Arbeit und Einordnung in die Literatur 1.3 Forschungsfragen und Gang der Arbeit 2 Der Einfluss der Regionalität auf den Versicherungswettbewerb 2.1 Der wettbewerbliche Ordnungsrahmen der GKV 2.2 Dysfunktionale Folgen eines regional unvollständigen RSA 2.3 Maßzahlen der wettbewerblichen Neutralität des 3 Räumliche Versicherungsrisiken im solidarischen Wettbewerb 3.1 Solidarität im RSA 3.2 Ursachen für regionale Risiken 3.3 Einnahmerisiko 3.4 Mengen- und Strukturrisiko 3.5 Preisrisiko 4 Abbildung von räumlichen Versicherungsrisiken im RSA 4.1 Die Funktionsweise des RSA zwischen 2009 und 2020 4.2 Das M2-Modell 4.3 Das GWR-Modell 4.4 Ein empirischer Vergleich der Regionalisierungsansätze 5 Fazi

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    Last time updated on 19/01/2023