Article thumbnail

Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung von Modellprojekten der Landeskommission Berlin gegen Gewalt - Juli 2010

By 

Abstract

In den Jahren 2008 und 2009 hat die Landeskommission Berlin gegen Gewalt zehn Modellprojekte zur Steigerung der Erziehungskompetenz von Eltern mit Migrationshintergrund und zur Steigerung der Konfliktlösungskompetenz von männlichen Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund gefördert. Die Projekte wurden von der Camino gGmbH wissenschaftlich begleitet. Hintergrund für die Förderung der Projekte war eine intensive Auseinandersetzung der Landeskommission Berlin gegen Gewalt darüber, dass 8 bis 21-jährige männliche Personen mit Migrationshintergrund in Berlin gemessen an ihrem Anteil an der männlichen Gesamtbevölkerung Berlins im gleichen Alter überproportional häufig im Bereich von Rohheitsdelikten polizeilich registriert werden. Sie stellen den überwiegenden Anteil der in Berlin bei der Staatsanwaltschaft registrierten Intensivtäter. Bereits im Jahr 2005 hat die Landeskommission Berlin gegen Gewalt deshalb beschlossen, eine ressort- und institutionenübergreifende Arbeitsgruppe mit dem Auftrag einzusetzen, gemeinsam mit Vertreter/innen von Migrantenorganisationen Maßnahmen zur Reduzierung von Gewalt und Kriminalität junger Berliner Migranten zu entwickeln. Diese Arbeitsgruppe beendete ihre Arbeit im Jahr 2007 und legte einen umfangreichen Bericht mit einem Katalog von Empfehlungen zum Thema „Gewalt von Jungen, männlichen Jugendlichen und jungen Männern mit Migrationshintergrund vor, der als Berliner Forum Gewaltprävention Nr. 28 erschienen ist und im selben Jahr im Rahmen einer Veranstaltung im Berliner Rathaus vorgestellt und breit diskutiert wurde. Dieser Bericht war nicht nur wegen seiner inhaltlich äußerst differenzierten Analyse der Probleme, seiner klaren Aussagen und seiner Empfehlungen von besonderer Bedeutung, sondern vor allem auch deshalb, weil er als Ergebnis gemeinsamer Arbeit von Vertreter/innen der Migrantenorganisationen, aus der Verwaltung und von Projekten in freier Trägerschaft gemeinsam verantwortet wurde. Eine der wichtigsten Kernaussagen des Berichts lautet: „Die überproportionale Beteiligung von jungen männlichen Personen mit Migrationshintergrund an Gewaltdelikten in Berlin hat soziale und geschlechtsspezifische Ursachen. Kulturelle und migrationsbedingte Faktoren können verstärkend auf Häufigkeit und Intensität gewaltförmigen Verhaltens wirken. Verantwortliches Handeln in diesem Zusammenhang bedeutet unter anderem, jedweder Ethnisierung der Probleme – vor allem auch öffentlich – entgegenzutreten.“ Diese Feststellung besagt jedoch nicht, dass die vorhandenen Probleme bezüglich der Gewalt junger Migranten nicht ernst zu nehmen wären und nicht einer Lösung bedürften. Hierzu wurde deshalb eine ganze Reihe von Empfehlungen gegeben, bei denen auch die Themen „Erziehungskompetenz von Eltern“ und „Konfliktlösungskompetenz von jungen männlichen Migranten“ eine Rolle spielen. Diese Themen haben wir mit der Förderung der Modellprojekte aufgegriffen und im Rahmen ihrer Evaluation intensiver beleuchten lassen. Uns interessierten in diesem Zusammenhang insbesondere die folgenden Fragen: Wie gelingt der Zugang zu Eltern, zu Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund? Wie kann die Erziehungskompetenz von Eltern und die Konfliktlösungskompetenz von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund verbessert werden? Wie ist die Kooperation der Projekte mit Kita, Schule, Jugendhilfe, Sport, Nachbarschaftsheimen und Moscheevereinen einzuschätzen? Haben sich die Projektstrukturen (Tandemprinzip) bewährt? Der nunmehr als Berliner Forum Gewaltprävention vorliegende Evaluationsbericht gibt eine Reihe von interessanten Antworten auf diese Fragen, die unter anderem deutlich machen, dass Aussagen wie z.B. „Eltern mit Migrationshintergrund sind nicht erreichbar“, „sie haben keine Bereitschaft, sich mit gewalttätigem Verhalten ihrer Kinder auseinanderzusetzen“, „Väter mit Migrationshintergrund interessieren sich nicht für die wichtigen Belange ihrer Kinder“, „Arbeit mit solchen Vätern ist nicht möglich“ oder „Eltern mit Migrationshintergrund besuchen keine Kurse zur Steigerung ihrer Erziehungskompetenz“ nicht der Realität entsprechen

Topics: Eltern , Jugend , Migrationshintergrund , Konfliktregelung , Berlin, 360
Publisher: Universität Tübingen
Year: 2010
DOI identifier: 10.15496/publikation-7146
OAI identifier: oai:publikationen.uni-tuebingen.de:10900/65726
Journal:

Suggested articles


To submit an update or takedown request for this paper, please submit an Update/Correction/Removal Request.