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Nomos and Alterity in Plato’s 'Laws'

By Giovanni Panno

Abstract

Der letzte politische Entwurf Platons wird in der vorliegenden Arbeit durch die dem Gesetz immanente Dialektik von Einschluss und Ausschluss erforscht. Diese Dialektik ergibt eine in mehrere Stufen unterteilte politische Gemeinschaft, deren innere Differenzen den spartanischen, kretischen und athenischen Traditionen gemäß in der Gesetzgebung verdeutlicht werden. Diese Traditionen entsprechen der Abstammung der drei Alten, die den Dialog führen, jedoch ist die Ordnung der Gesetze der neu zu gründenden Kolonie Magnesia philosophisch von einem unter diesen, dem Fremden aus Athen, stark geprägt. Eine Dialektik zwischen den verschiedenen Gesetzten bedeutet das erste Niveau einer Andersheit innerhalb der Nomoi, die bis auf den Begriff des Gesetzes selbst (nomos) verfolgt werden muss. In den Nomoi handelt es sich bei den menschlichen Gruppen um zwei verschiedene Differenzen: Eine von Seiten der Gesetze zu unterdrückende Differenz (homosexuelle Liebe vs heterosexuelle Liebe, Sklaven und Metöken vs freie Bürger) und eine von der Stadt als notwendig zu bewahrende, anerkannte Differenz, die den Darstellern der Komödie und den reisenden Betrachtern (theoroi) überlassen ist. Mit dem Wort Andersheit werden hier deshalb sowohl Differenzen im Bereich der menschlichen Gruppen als auch einen der zwei notwendigen Termini einer Dialektik innerhalb des Begriffes des Gesetzes bezeichnet. Im nomos setzt sich das schon Bekannte und Strukturierte mit dem Unbekannten und Neuen auseinender, welches hier mit Andersheit als zu bewahrende Differenz ausgelegt wird. Die Andersheit ist nicht alles, was aus der Stadt ausgeschlossen wird, vielmehr für den Aufbau der politischen Identität notwendiges Element, das innerhalb der angeblich homogenen Ordnung der Stadt zu finden ist. Es handelt sich nicht nur um die Gruppen, die nicht über die Bürgerrechte in der Stadt verfügen – was bloß der Ordnung der Gesetzgebung gemäß ist – sondern um diejenigen, deren Teilnahme zur Gemeinschaft trotz ihrer Angehörigkeit zur Stadt eingeschränkt ist. Wie das Spektrum von Differenzen unter den Menschen im Alltag Magnesias verwaltet wird, hängt stark von dem theoretischen Ausgangspunkt ab, der einen das Gesetz entweder als ein Naturprodukt oder als ein menschliches Produkt betrachten lässt. Die Nomoi greifen somit den sophistischen Anthropozentrismus des Protagoras an, indem Gott als Maß aller Dinge bezeichnet wird. Da die politische Theologie der Nomoi auf eine Entsprechung von Gott und Vernunft beruht, wird das Gesetz göttlich, indem es in sich die vernünftige Bewegung aufnimmt, was eine neue Dialektik innerhalb des Gesetzes zu bewirken ermöglicht. Nur jenes Gesetz, das gleichzeitig die Differenzen in sich aufnimmt, kann der Falle eines Gedankens entgehen, der Natur-Technik und Natur-Gott nicht versöhnt. Diese Frage wird sowohl in der dialogischen Fiktion als auch in der Fiktion des alltäglichen Lebens der Stadt diskutiert, um anzudeuten, dass jede gefundene Lösung sich als nur temporär gültig erweisen kann, da die Erforschung der Gesetzte selbst in ihrem produktiven Sinne aporetisch ist. Die einfache Teilnahme an dem rituellen alltäglichen Leben der Stadt von Seiten der Bürger wird von dem Wissen der Wenigen übertroffen, die die innere Dialektik des Gesetzes untersuchen können. Die zu diesem Wissen befähigten Beamten beleben deshalb einen Zustand zwischen dem Alltag der Stadt und ihrem Entwurf. Die Philosophie verlässt insofern nicht die Gesetzesstadt, obwohl die Philosophen in den Nomoi über jene Macht nicht verfügen, die ihnen in der Politeia anvertraut wird. Selbst wenn sich ihre Kompetenzen auf die Kontrolle der Integrität des Gesetzes von Magnesia beschränken, gestalten die Mitglieder der Nächtlichen Versammlung, die die höchste Ebene der Erziehung der Stadt erreicht haben, die einheitliche Form der Gesetzesstadt. Wird unter der vom Text erzielten Homogenität der Stadt die Differenz verschwinden? Ohne eine Veränderung der Gesetze ist beispielsweise weder die Verbesserung der Lebensumstände denkbar, noch die Anpassung der Stadt an die Anforderungen des Lebens möglich. A fortiori bedroht die im Text der Nomoi oft besprochene Einheit die Möglichkeit selbst einer zeitlichen und somit qualitativen Veränderung. Die Gesetzgebung ist deshalb wohl nicht vollständig ohne eine strukturelle Beziehung auf alles, was sie in zeitlicher und qualitativer Bewegung erhalten kann, nämlich auf eine strukturelle Offenheit. Diese kommt notwendigerweise aus dem Kontakt mit der Differenz, die jedenfalls kontrolliert werden soll, wie im Falle der Komödie und des Verhältnisses zu anderen Gesetzgebungen. Von diesen berichten die reisenden theoroi, die die Grundlage Magnesias mit den Gesetzen anderer Städte vertraut machen. Die Analyse führt durch die Rolle der ungeschriebenen Gesetze in der Gesetzgebung und der Geschichtlichkeit des Mythos der Stadt zur Umwandlung des Begriffes der Technik in denjenigen der natürlichen Technik als Produkt der Seele.The aim of my work is to analyze Plato’s last political project through the perspective of the city’s dialectic inclusion/exclusion. This dialectic produces a political community which is divided into many levels. Each of the dialog’s three protagonists represents a tradition (Spartan, Cretan and Athenian) which contributes to the foundation of Magnesia, especially through the philosophical activity of the Athenian Stranger. In his speeches the dialectic between these traditions emerges as the first level of an alterity which I follow up to the concept of law (nomos) itself. Of the two differences, in human groups, one has to be repressed (homosexual love, farmers and craftsmen, slaves and resident aliens), the other is allowed (observers and comedians). Alterity sums up all the differences from human to conceptual field. In this, it expresses the unknown versus the well-known, the normal and the abnormal in a relationship where both are expected to build up the political identity of the city. This is the reason I am going to explain the different levels of participation in Magnesia’s community and to show the alterity in a theoretical structure, which seems to exclude it in her explication in the social order. To explain how the theoretical exchange between identity and difference runs in the system of Magnesia it is necessary to understand the platonic critic in Protagora’s homo mensura. The political theology of the Laws predicates to God-Reason the measure of all things in such a way, that the law is a divine one only if it can relate nature and techne. The harmonization of these two terms depends on the capability of law to assume the multiplicity in the unity, i.e. to let the alterity work on the heart of Magnesia’s project. This city seems to be structured as a static system, but it requires change, for example in the writing of the laws themselves, which is an aporetic work. The conclusion of the dialog can only be found beyond the text of the Laws, in a discussion which has to take place in the virtual life of the projected city. The dialog of the Laws is a kind of paradigm based on the discussion of the individual laws by the members of the Nocturnal Council. This legislative assembly does not have the same political power as the philosophers in the Republic, otherwise communicates with a center of the city as no other political assembly. The Nocturnal Council represents a difference within the distribution of the political power and controls the most important alterities, which could change the form of the city: the contact with other countries and their laws. In respect to the divine origin of law – a law of a divine reason – and with the help of the most natural medium for the technical writing of a new law – the human soul – the member of the Nocturnal Council have to put in relation the unity of the city with its internal and external multiplicity. Like the dangerous, uncontrolled emotions or the power of bad theatrical imitations, the alterity must be ordered, according to the late Plato, not repressed. This is possible only through a theoretical assumption of the relationship between identity and difference

Topics: Nomos , Gesetz , Plato , Identität , Differenz, 100, Andersheit , Nomoi , Leggi , politische , Theologie, Laws , Plato , identity , alterity , theology
Publisher: Universität Tübingen
Year: 2005
OAI identifier: oai:publikationen.uni-tuebingen.de:10900/46282
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