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Taste papillae density and taste perception in adolescents with eating disorders and a healthy control group

By Alice Kaltenhofer

Abstract

Fragestellung Die Schmeckwahrnehmung wird u.a. über Lernprozesse, kognitive Vorgänge, genetische und biochemische Faktoren reguliert. Ess- und Diätverhalten werden durch sie beeinflusst. Den anatomisch und physiologisch ersten Abschnitt der Schmeckwahrnehmung bilden die fungiformen Geschmackspapillen. In den Geschmackspapillen liegen die Geschmacksknopsen, mit deren Hilfe die Schmeckstoffe aufgenommen und in Form von Aktionspotentialen zum Thalamus, dem limbischen System,dem Gyrus postzentralis und weiteren Stellen im ZNS weitergeleitet werden, wo die bewusste Schmeckwahrnehmung lokalisiert sein soll. Die Schmeckwahrnehmung wird nach dem Stand der Literatur von der Dichte der Geschmackspapillen beeinflußt. Es wird über eine reduzierte sensorische und hedonische Schmeckwahrnehmung bei Probanden mit einer geringen Dichte von Geschmackspapillen berichtet. Dies könnte das Essverhalten beeinflussen. Ziel dieser Studie ist es, die Anzahl der fungiformen Papillen bei Patientinnen mit Essstörungen und gesunden Probandinnen zu erfassen und der Frage nachzugehen, ob zwischen der Geschmackspapillenanzahl und dem Essverhalten bzw. bei Vorhandensein einer Essstörung ein Zusammenhang besteht. Ein weiteres Ziel war die Bestimmung eines möglichen Zusammenhangs zwischen der Sensitivität für die Schmeckqualitäten süß/sauer/salzig/bitter, der Sensitivität auf 6-n-Propylthiouracil und der Geschmackspapillendichte. Es ist genetisch festgelegt, ob der Bitterstoff 6-n-Propylthiouracil wahrgenommen werden kann. Diverse Studien belegen, dass PROP-Schmecker in der Lage sind Schmeckstoffe sensitiver wahrzunehmen. Mittels einer orientierenden psychometrischen Beurteilung sollte außerdem erfasst werden, ob es objektiv nachweisbare Unterschiede in der Geschmackswahrnehmung von Patienten mit einer Essstörung und von einer gesunden Kontrollgruppe gibt. Methoden Untersucht wurden 16 gesunde Jugendliche und 27 Jugendliche mit einer Essstörung. Die Gruppe der Probanden mit einer Essstörung bestand aus 13 Patientinnen mit der klinischen Diagnose einer Anorexia nervosa (F50.0), davon 9 des restriktiven Typs (F50.00) und 4 mit aktiven Massnahmen zur Gewichtsreduktion (F50.01). Weiterhin waren 9 Patientinnen mit der klinischen Diagnose einer Bulimia nervosa (F50.2), 3 Patientinnen mit atypischer Anorexie (F50.1), sowie 2 Patientinnen mit einer Binge Eating Störung (F50.9) eingschlossen. Die Anzahl der fungiformen Papillen wurde bestimmt. Hierfür wurde die Zunge mit blauer Lebensmittelfarbe gefärbt, digital bearbeitet (Adobe Photoshop) und die Papillen wurden ausgezählt. Mit Hilfe verschiedener psychometrischer Testverfahren (YSR, EDI-2, EDI-SC, JTCI) wurden Kompetenzen, Problembereiche, Persönlichkeitsmerkmale und eine essstörungsspezifische Psychopathologie der Jugendlichen erfasst. Die Schmecktestung auf „süß/sauer/bitter/salzig“ wurde bei 15 gesunden Jugendlichen und 18 Jugendlichen mit einer Essstörung mittels Schmeckstreifen durchgeführt. Die Schmecktestung auf „fett“ in Bezug auf Texturunterschiede, Einschätzung des Fettgehaltes und die Konsistenzwahrnehmung wurde mit Naturmilchprodukten verschiedener Fettstufen untersucht. Die Sensitivität auf 6-n-Propylthiouracil wurde mit einer 6-n-Propylthiouracil-Lösung getestet. Alle Daten wurden statistisch mittels SPSS ausgewertet. Ergebnisse Patienten mit Anorexie hatten im Gegensatz zu Patienten mit Bulimie signifikant weniger fungiforme Papillen als die Probanden der gesunden Kontrollgruppe (p<0,001). Aufgeteilt nach dem Essverhalten, zeigte sich, dass Patienten mit restriktivem Essverhalten über weniger fungiforme Papillen verfügten als Patienten mit Ess-/Brechanfällen (p<0,05) und gesunde Probanden der Kontrollgruppe (p<0,001). Patienten mit Ess-/Brechanfällen hatten signifikant weniger fungiforme Papillen als gesunde Probanden (p<0,05). In Bezug auf den PROP-Tasterstatus zeigte sich, dass anorektische Nicht-Schmecker im Vergleich zu den Nicht-Schmeckern der Kontrollgruppe eine signifikant verminderte Anzahl an fungiformen Papillen hatten. Die Papillenanzahl unterschied sich nicht signifikant zwischen Schmeckern und Nicht-Schmeckern innerhalb der Kontrollgruppe und innerhalb den einzelnen Essstörungsgruppen. Die Schmecktestung zeigte Unterschiede zwischen der Gruppe mit Ess-/Brechanfällen und der Gruppe mit rein restriktivem Essverhalten. Die rein restriktiven Probanden nahmen „bitter“ als angenehmer (p<005) und „süß“ als unangenehmer (p<0,05) wahr. Innerhalb der Gruppe mit Ess-/Brechanfällen fanden sich weitere Unterschiede im Bezug auf die Schmecktestung. Die Nicht-Schmecker empfanden den Schmeckstoff „bitter“ angenehmer als die Schmecker (p<0,05). Die Schmecker der Gruppe mit Ess-/Brechanfällen empfanden ausserdem den Schmeckstoff „süß“ als angenehmer als die gesunden Schmecker (p<0,05), und die Nicht-Schmecker der Gruppe mit Ess-/Brechanfällen empfand den Schmeckstoff „salzig“ als angenehmer als die gesunden Nicht-Schmecker (p<0,05). Bei der Schmecktestung der Naturmilchprodukte nahmen die Probanden mit einer Essstörung die Stufe mit dem niedrigsten Fettgehalt als fettiger und unangenehmer als die gesunden Probanden wahr (p<0,05). Schlussfolgerungen Bei den Probanden mit Essstörungen, besonders den Probanden mit rein restriktivem Essverhalten, fällt eine reduzierte Anzahl an fungiformen Papillen im Gegensatz zu den gesunden Probanden auf. Auch die Aufteilung in PROP-Schmecker und –Nicht-Schmecker zeigt eine reduzierte Anzahl an fungiformen Papillen bei anorektischen Nicht-Schmeckern. Wir vermuten einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der fungiformen Papillen und der Entstehung und Pathopysiologie einer Essstörung. Die Schmecktestung zeigte Unterschiede besonders bei den Schmeckrichtungen „bitter“ und „süß“. Die Schmeckrichtung „bitter“ wurde von den Probanden mit rein restriktivem Essverhalten als angenehmer, die Schmeckrichtung „süß“ als unangenehmer als von den gesunden Kontrollen bewertet. Wir konnten hier zeigen, dass die Schmeckwahrnehmung bei Betroffenen mit einer Essstörung beeinträchtigt ist. Die Aufteilung in PROP-Schmecker und –Nicht-Schmecker zeigte innerhalb der Gruppe mit Ess-/Brechanfällen leicht signifikante Unterschiede in der Schmeckwahrnehmung der Schmeckstoffe „süß“, „bitter“ und „salzig“. Die Schmecktestung der Naturmilchprodukte zeigte eine erhöhte Sensitivität aller Gruppen mit einer Essstörung für low-fat-Produkte, die von diesen auch als unangenehmer als von den Probanden der Kontrollgruppe wahrgenommen wurden. Wir vermuten einen weiteren Zusammenhang zwischen der Schmeckwahrnehmung, dem PROP-Schmeckerstatus und der Entstehung und/oder Aufrechterhaltung von Essstörungen.Taste papillae density and taste perception in adolescents with eating disorders and a healthy control group Objective Taste perception is a heritable trait affected by learning achievement, cognitive proceeding, genetical and bio-chemical factors. This has an effect on Eating- and dietary behaviour. Taste papillae are anatomically and physiologically the first part of the perception of taste. The taste buds are found in the taste papillae. By means of the taste buds, the gustatory substances are taken and transmitted in form of action potentials to the thalamus, the limbic system, the gyrus postcentralis and other areas of the CNS, where the conscious taste perception is believed to be located. The perception of taste is related to the taste papillae density. It is reported that patients with a low taste papillae density have a reduced sensory and hedonic taste perception. This could have an effect on eating behaviour. The aim of this study is the evaluation of the fungiform papillae and to find a possible relation to eating disorders. The other aim was the identification of a possible relation between the sensitivity of the taste qualities „sweet/sour/salty/bitter“, the sensitivity for 6-n-Propylthiouracil (PROP) and the taste papillae density. Perception of PROP is genetically determined. PROP-Tasters are defined to be more sensitive in taste perception. Using an exploratory psychometric assessmen,t data was collected in the case of objective measurable differences in taste perception between eating disorders and healthy controls. Methods 16 healthy controls and 27 adolescents with an eating disorder were examined. The group with an eating disorder contained 13 patients with the clinical diagnosis of anorexia nervosa (F50.0), including 9 restrictive type anorectics ( F50.00) and 4 purging type anorectics (F50.01). Furthermore, 9 patients with the clinical diagnosis of bulimia nervosa (F50.2), 3 patients with atypical anorexia nervosa (F50.1) and 2 patients with binge eating disorder (F50.9) were included. The amount of fungiform papillae was evaluated. For this purpose, the tongue was stained with blue food colour. A digital picture was taken, processed with Adobe Photoshop.and the fungiform papillae were counted. Using standardized questionaires (YSR, JTCI, EDI-2, EDI-SC), psychometric data was collected and analyzed to exclude possible eating disorders in the control group. The evaluation of taste (sweet/sour/salty/bitter) was made with 15 healthy controls and 18 adolescents with an eating disorder. The evaluation of „fat perception“ concerning differences in texture, estimation of fat content, and the perception of the texture was explored with natural milk products with various fat contents. The PROP-sensitivity was tested with a 6-n-Propylthiouracil dilution. All data was statistically evaluated via SPSS. Results Compared to the bulimic patients, the anorectic patients showed a significantly lower number of fungiform papillae than the healthy controls (p<0,001). A further division presented a lower number of taste papillae in the patients with restrictive eating behaviour compared to the patients with purging-/vomiting-eating-behaviour (p<0,05) and the healthy controls (p<0,001) as well as a lower number of taste papillae in the patients with purging-/vomiting-eating-behaviour compared to the healthy controls (p<0,05). Concerning the PROP-Tasterstatus, the anorectic non-tasters had a significantly lower number of fungiform papillae than the healthy non-tasters. The number of fungiform papillae did not differ significantly within the control group and within the groups with eating disorders. The evaluation of taste showed differences between the group with purging-/vomiting-eating-behaviour and the group with a restrictive eating behaviour. The restrictive eaters perceived „bitter“ as more (p<0,05) and „sweet“ as less (p<0,05) agreeable. Within the group with eating-/vomiting-attacks it was found that the non-tasters perceived „bitter“ as more agreeable than the tasters (p<0,05). Tasters liked „sweet“ more than the Tasters of the healthy control group (p<0,05) and the non-tasters liked „salty“ more than the non-tasters of the healthy control group (p<0,05). The evaluation of the fat perception showed a difference between the healthy controls and the eating disorders. The eating disorders perceived the low-fat-products as more fatty and less agreeable than the healthy controls (p<0,05). Conclusion Within the eating disordes, especially the restrictive eaters, a lower number of fungiform papillae was found compared to the healthy controls. The division in PROP-tasters and non-tasters shows a lower number of fungiform papillae in the anorectic non-tasters. We assert a correlation between the number of fungiform papillae, the development and the pathophysiology of an eating disorder. The evaluation of taste showed differences especially with „bitter“ and „sweet“. „Bitter“ was perceived as more, „sweet“ as less agreeable by the retrictive eaters than by the healthy controls. We were able to show that the perception of taste is affected in an eating disorder. The division into PROP-tasters and non-tasters showed differences in the taste perception („sweet“, „bitter“ and „salty“) within the group with eating-/vomiting-attacks. The evaluation of the „fat perception“ perception showed a higher sensitivity for low-fat-products in all groups with an eating disorder, which they perceived also as less agreeable than the healthy controls. We assert a further correlation between the taste perception, the PROP-Taster-Status and the evolution and/or maintenance of eating disorder

Topics: ddc:610
Year: 2009
OAI identifier: oai:publikationen.ub.uni-frankfurt.de:7112

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