Die Musikfolklore der Sinjer Krajina

Abstract

In seiner Darstellung der Musikfolklore der Sinjer Krajina umfasst der Verfasser hauptsächlich blos die vokale Volksmusik. Die instrumentale Volksmusik dieses Gebietes ist nur zum Teil vertreten durch vokal-instrumentale Formen in Liedern die zur Gusle und zur Diple gesungen werden. Die vokale Volksmusik der Sinjer Krajina wird zumeist durch die Anwendung gewisser Schemata bestimmter vokaler Formen ausgeführt. Entwickeltere Melodien, in musikalischem Sinne durchgearbeitete und abgerundete, gehaltvollere Einheiten erscheinen nur in neueren Schichten, insbesondere in sog. dalmatinischen städtischen Volksliedern (varoske pjesme). Da jedoch die älteren Formen und ihre Schemata äusserst charakteristisch für die vokale Volksmusik der Sinjer Krajina sind, hat der Verfasser das gesammelte Material in folgender Reihefolge bearbeitet und dargestellt: 1. Die vokalen Formen mit obligaten Kehrreim auf der Silbe »voj« oder »hoj«, d. h. die sog. »treskavice« (etwa: Gesang mit bebender Stimme) und »vojkalice« (onomatopoetisch den Kehrreim bezeichnend). (Notenbeispiel 1—4). 2. Lieder mit Gusle-Begleitung (Beispiel 6—9; epische Lieder und scherzhafte Spottlieder). 3. Lieder die »iz kape« benannt sind (»aus der Kappe« d. h. beim Singen schaut der Sänger in seine Kappe, als enthielte sie den Text), oder »iz knjige« (»aus dem Buch«, wenn der Sänger in ein Buch schaut das aber beinahe nie den gegebenen Text enthält). Das sind lange, erzählende Lieder (auch epische), die ohne Instrumental-Begleitung gesungen werden. (Beispiel l0—13). 4. Klagegesänge und Wiegenlieder. (Beispiel 16—19, 20—22 und 4). 5. »Rere«, kurz Lider, bestehend aus zehnsilbigen zweizeiligen Versen, mit dem charakteristischen Kehrreim auf dem Silben »re-re«, »he-he«, oder ähnlichen Silben. (Beispiel 23—27). 6. Lieder »na bas« (»auf Bass«); das sind Formen der neueren Mehrstimmig¬keit: a) mit dem charakteristischen Schluss, im zweistimmigen Gesang, mit dem Intervall der Quinte; b) mit dem Schluss des zweistimmigen Gesanges mit dem Intervall der grossen oder kleinen Terz und dem Erscheinen der neutralen Terz im Verlaufe der Melodie. (Beispiel 28, 29 und 30, 31). 7. Ältere dalmatinische städtische Volkslieder. (Beispiel 32—34). 8. Sonstige Formen von Vokal — und Instrumentalvolksmusik: ein Hirten¬lied (Beispiel 35), ein neueres kurzes Lied eines Solo-Sängers, was »samacki« (etwa: allein zu singen) bedeutet (Beispiel 36) und ein Lied zum Spiel auf den Diple (Doppelklarmette der Sackpfeife, die auch ohne Balg gespielt wird). (Beispiel 39). Eingehend bearbeitet wurden vom Verfasser die Formen unter 1, 2, 3, 4 und 5. Der Verfasser hat mittels Detailtranskription festgestellt, dass die Ausführung des Kehrreims »voj« sich von einem Triller darin unterscheidet, dass der Sänger dabei scharf und klar nur die oberen Ausgangstöne singt und aus diesen senkt er die Stämme in sehr kurzen Tönen um eine Terz oder Sekunde tiefer, was beim gewöhnlichen Zuhören fast überhaupt nicht zu vernehmen ist. Der Hörer, der diese sehr kurzen Wechseltöne nicht wahrnimmt, hat den Eindruck als höre er eine Folge von nicht zusammenhängenden Staocato-Tönen, wie es auch von Božidar Širola und Vinko Žganec beschrieben wurde. Bezüglich des »Ojkanje« unter¬zieht der Verfasser auch die Abhandlung Antun Dobronić\u27 s einer Betrachtung, und komplettiert und korrigiert dessen Ausführungen aufgrund der Resultate seiner eigenen Forschungen. Er weist darauf hin, dass es verschiedene Formen von »vojkalice« gibt und bringt vier unterschiedliche Beispiele mit den Analysen ihrer Tonreihen, ihres Rhythmus und ihrer musikalischen Form. Die Lieder mit Gusle-Begleitung kann man auch heutzutage fast in jedem Dorfe der Sinjer Krajina hören. Der Verfasser macht darauf aufmerksam dass die Lieder mit gereimten Zehnsilben-Versen älter sind als man gemeiniglich meint. An vier ausgewählten Beispielen (6—9) untersucht der Verfasser das Verhältnis zwischen den Melodiekurven der vokalen und der instrumentalen Stimme, der Verlängerung einzelner Silben, besonders der 9. und 10. Silbe, im Zehnsübenvers, die freie Gruppierung der Melostiche und das Erscheinen der Melostrophe (Beispiel 9), de rhythmischen Schemata und ihr Verhältnis zu der metrischen Struktur des Textes. Eingehend studiert er auch die musikalisch-rhythmischen Glieder des Melostiches und berücksichtigt die bisherigen Resultate einheimischer und ausländischer Fachleute, besonders die G. Beckings und W. Wünsch\u27. In der Darstellung der Gesangsart »iz knjige«, verweist der Verfasser auf die Punktion der einzelnen Schemata der Melodiekurven in den Melostichen, dem Verhältnis zum Inhalt des Textes dieser Melostiche (Beispiel 10). Verschiedene Strukturen von rhythmischen Schemata im zehnsilbigen Melostich, das Abweichen von bekannten und stabilisierten Schemata, bringt der Verfasser in der Analyse des Beispieles 11 (die Melosttche Nr. 15, 19, 20, 24—26, 29, 30, 32, 34, 71—75). Einer Betrachtung unterzieht er auch zwei Aufzeichnungen von Melodien zu epischen Liedern ohne Instrumentalbegleitung, die F- Ks. Kuhač vor ungefähr hundert Jahren in Sinj gemacht hat. Den Klagegesang bezeichnen die Sinjer mit dem Zeitwort »žaliti« (trauern). Die Klagegesänge sind in achtsilbigen Versen verfasst. Von den vier Beispielen, stellen zwei parodistische Klagelieder vor; sie sind in ihrer musikalischen Form den echten Klagegesängen ganz ähnlich, die Parodie ist im Text enthalten. Die kurzen »rere« sind heute eine der vitalsten vokalen Formen der Musikfolklore der Sinjer Krajina, was wahrscheinlich daher kommt, dass die kurzen Zweizeiler aus heutigen Leben auf die Sänger anziehend wirkten, sie singen sie jedoch in altertümlicher scharfer Zweistimmigkeit, z. B- mit halbton-weisem Abstieg der Stimmen in parallelen grossen Sekunden (Beispiel 27). In¬teressant sind die Strukturen der Melostrophen verschiedener Schemata der »rere« . Das Beispiel 25 zeigt eine der ausgebildetsten Strukturen der Melostrophe in den »rere«. Von sonstigen Formen, hebt der Verfasser die beharrlichen kleinen Verän¬derungen in den Melostichen der älteren dalmatinischen städtischen Volkslieder hervor (Beispiel 34) und die vollständige Polyrhythmik der vokalen und der instrumentalen Stimme im Lied das man zum Spiel der »diple« singt (Beispiel 39)

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