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Gelassenheit. Ein Grundbegriff der Mystik Meister Eckharts

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Abstract

Meister Eckart, bedeutendster Vertreter der Deutschen Mystik, war bemüht, den Christen seiner Zeit einen individuellen Weg zu Gott aufzuzeigen, um den einzelnen Gläubigen zu befähigen, das Trennende zwischen Gott und den Menschen auf je eigene Weise zu überwinden, was kirchenpolitisch nicht gewollt war und Meister Eckart dem Häresie-Verdacht aussetzte, zu sehr war die Kirche im Mittelalter vom Schüren der Angst vor einem übermächtigen Gott abhängig, um ihre theologisch-spirituelle Monopolstellung, aber auch ihre weltliche Macht zu behalten. Die Predigt einer Überwindung des Trennenden hin zur Einheit war vor diesem Hintergrund Ketzerei. Charakteristisch ist, das Meister Eckart auf Deutsch, in der Sprache des Volkes, spricht und dabei eine ganze Reihe abstrakter Begriffe prägt, die heute noch verwendet werden, so auch das Wort Gelassenheit. Aus dem Prozess des gelâzen hân folgt bei Meister Eckart der Zustand des gelâzen sîn, den er ganz in den Dienst der mystischen Einheit mit Gott (unio mystica) gestellt wissen möchte. Mit seiner daraus entwickelten Wortschöpfung gelâzenheit stellte er der deutschen Sprache ein Konzept zur Verfügung, dass die Vielschichtigkeit eines Sachverhalts anzeigt, in dem Ruhe, Versenkung, Anbetung, Demut, Hingabe und Weisheit mitschwingen und welcher schließlich in der Erfahrung der Einheit mit Gott kulminiert. Um den besonderen Wert des Begriffs zu verdeutlichen, soll kurz auf die Geschichte des Konzepts als Versuch einer beständigen Annäherung an das, was Gelassenheit tatsächlich meint, eingegangen werden, also auf Demokrits euthymia (gutes Gemüt), auf die tranquilitas animi (Seelenruhe) Senecas, die sich an das euthymia-Konzept anlehnt, auf Platons theoria als Ideenschau der Seele, vom Neuplatoniker Plotin zur henosis (göttliche Einigung) erweitert, auf die aristotelische eudaimonía (geglücktes Leben) auf Basis der arete (Tugend) des "Maßhaltens", auf Epikurs galenismós (Meeresstille), der eine zentrale Metapher des Gelassenheits-Topos einführt (das Meer) und auf Plutarchs "Gemütsruhe". Diese Versuche kreisen den Begriff der Gelassenheit ein, ohne seinen Kern zu treffen und ohne seine semantische Dichte und Fülle vollständig zu erschließen. Ferner soll der Versuch unternommen werden, das Anliegen Meister Eckarts für den Menschen im "postmetaphysischen" Zeitalter zu aktualisieren und dabei besonders die eckart"sche Individualisierung der Gotteserfahrung, die im jeweils anderes bewältigten "Stufenweg" zur Gelassenheit ihren Ausdruck findet, als zentrales Kennzeichen unserer Religiosität hervorzuheben

Topics: b) Mittelalter
Year: 2006
OAI identifier: oai:sammelpunkt.philo.at:1593
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