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Bewertung von Kreditrisiko, Zahlungsunfähigkeit, optimale Kapitalstruktur und Agencykosten bei unvollständiger Information

By Tim Thabe

Abstract

In der vorliegenden Arbeit gelingt es mit Hilfe unvollständiger Information, in einem Strukturmodell die Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens unabhängig von gleichzeitiger Überschuldung abzubilden. Zahlungsunfähigkeit tritt ein, weil sich unvollständig informierte Outsider auf Basis öffentlicher Informationen entscheiden, an der angestrebten Kapitalerhöhung des Unternehmens nicht teilzunehmen. Die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls durch Zahlungsunfähigkeit ergibt sich hierbei endogen und beeinflusst den Wert der Ansprüche gegen das Unternehmen. Dieser Zusammenhang erlaubt es, den Effekt unterschiedlicher Grade von Informationsunsicherheit auf den Wert des Unternehmens zu untersuchen und eine optimale Kapitalstruktur bei unvollständiger Information zu ermitteln. Hieraus lassen sich durch einen Vergleich mit einem entsprechenden Unternehmen bei vollständiger Information die Kosten der unvollständigen Information errechnen. Unser Modell liefert eine Erklärung für die Notwendigkeit eines Underpricings von Neuemissionen und quantifiziert den Barwert der dem Unternehmen dadurch entstehenden Kosten. Es zeigt sich, dass bei einer gegebenen Kapitalstruktur die Risikoaufschläge bei unvollständiger Information wegen des zusätzlich möglichen Ausfalls durch reine Zahlungsunfähigkeit stets höher und die Unternehmenswerte stets niedriger sind als bei vollständiger Information. Während dieser Zusammenhang für den Unternehmenswert auch bei optimaler Kapitalstruktur erhalten bleibt, zeigt sich, dass dies nicht für die Risikoprämie des Fremdkapitalanspruchs gilt. Die unvollständige Information führt zu erheblich geringeren optimalen Verschuldungsgraden die wiederum dazu führen, dass das Risiko des Fremdkapitalanspruchs bei unvollständiger Information in der Regel geringer ist als bei vollständiger Information. Während die Ergebnisse der Bewertung im Sekundärmarkt stark von der unterstellten Bilanzinformation abhängen, zeigt sich, dass unvollständige Information in der hier modellierten Art und Weise nicht geeignet ist, die den Strukturmodellen eigene kurzfristige Risikolosigkeit im Primärmarkt zu beheben. Dies gilt sowohl für unser Modell als auch für das Referenzmodell von Duffie/Lando (2001) und legt die in der jüngeren empirischen Literatur häufig geäußerte Vermutung nahe, dass es insbesondere am kurzen Laufzeitende und bei hoch gerateten Bonds andere Effekte sind, wie z.B. Liquidität, Zinsrisiko oder die steuerliche Besserstellung von Staatsanleihen gegenüber Unternehmensanleihen (in den USA), die eine wichtige Rolle spielen. Empirische Unterstützung erfährt sowohl unser Modell als auch das Referenzmodell von Duffie/Lando (2001) durch die empirische Studie von Yu (2005). Der Autor findet, dass Risikoprämien von Fremdkapital im Sekundärmarkt bei gegebener Kapitalstruktur mit zunehmender Informationsunsicherheit steigen und dieser Effekt am kurzen Laufzeitende besonders ausgeprägt ist

Topics: 330 Wirtschaft
Publisher: Universität Mannheim
Year: 2006
OAI identifier: oai:ub-madoc.bib.uni-mannheim.de:1424

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