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Die Überlieferung deutscher Texte im Kölner Buchdruck des 15. und 16. Jahrhunderts

By Wolfgang Schmitz

Abstract

Relativ schnell nach der Erfindung der Buchdruckerkunst durch Johann Gutenberg ließ sich hier 1464 Ulrich Zell als erster Drucker nieder. Er hatte seine Ausbildung bei Peter Schöffer, einst Gutenbergs Geselle, in Mainz erhalten. Nach Auskunft der Schreinsbrüder, die seine Grundbesitzerwerbungen zeigen, war Meister Ulrich bei seiner Tätigkeit sehr erfolgreich, und das wird dazu beigetragen haben, daß sich schon bald Konkurrenten einfanden. Köln kann mit ca. zwanzig Buchdruckern in der Wiegendruckzeit, die teilweise parallel arbeiten, die größte Zahl im zeitgenössischen deutschen Buchdruck des 15. Jahrhunderts vorweisen. Im 16. Jahrhundert steigerte sich das noch erheblich, und wir können hier bis zum Ende dieses Jahrhunderts die Tätigkeit von nahezu hundert Druckern verzeichnen. Diese Stellung Kölns kam nicht von ungefähr, denn die Stadt bot in verschiedener Hinsicht sehr gute Voraussetzungen für das Aufblühen des Buchdrucks. In dieser damals bevölkerungsreichsten Stadt Deutschlands gab es von der Zahl wie von der Struktur einen potentiell großen Abnehmerkreis. Das heilige Köln besaß als religiöser Mittelpunkt in den vielen Kirchen und Klöstern ein lesekundiges Publikum. Gleichzeitig war die Stadt mit ihrer Universität auch ein geistiges Zentrum, wenn sich auch die Professoren erst allmählich mit dem neuen Medium Druck anfreunden konnten. Andererseits boten die Bibliotheken der Konvente, der Bursen, wie die privaten die potentiellen Vorlagen für gedruckte Ausgaben. Ebenso gab es die Möglichkeit, Mitglieder dieser Personenkreise als Herausgeber zu gewinnen. Schließlich und nicht zuletzt ist der wirtschaftliche Faktor zu erwähnen: In der Stadt gab es genügend kapitalkräftige Männer, die bereit und fähig waren, die Drucker mit Darlehen zu unterstützen, oder die selbst Interesse hatten, Drucke in eigener Regie zu finanzieren, und die damit als Verleger auftraten, wie z. B. Johann Koelhoff. Außerdem bot der Rhein eine gute Voraussetzung für die Anlieferung des Papiers, das damals meist noch aus Süddeutschland geliefert wurde. Schließlich verfügte die städtische Wirtschaft in diesem Zentrum des Fernhandels über eingeschliffene Absatzwege für alle möglichen Güter, die auch für den Buchhandel nutzbar gemacht werden konnten. Dies alles hat bewirkt, daß die Kölner Bücherproduktion der Inkunabelzeit international nach Venedig, Paris, Rom und Lyon an fünfter Stelle stand

Topics: Library and information sciences
Year: 1990
OAI identifier: oai:USBKOELN.ub.uni-koeln.de:1234

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